30.4./8.5./7.7.04
Lehrer und Internet - ein Schockerlebnis
Internet und Lehrerbildung - nochmals ein Schock
Zur Sicht der Schüler

Lehrer und Internet - ein Schockerlebnis

Am 29. April des Jahres 2004 kam in einer Seniorenrunde in Ulm das Gespräch auf Internet und Lehrer. Ein Mitglied erzählte ein Erlebnis des Vortags:
 

Eine Gruppe von 16 Lehrerinnen und Lehrern besuchte eine Informationsveranstaltung über eine Möglichkeit für Lehrer, Wandertage oder Projekttage nervenschonend zu überste- hen. Am Schluss erhielten sie ein Faltblatt mit einer Über- sicht und dem Kommentar, dass aktuelle Infos zu den Pro- jekten über die auf dem Faltblatt angegebene Internet- adresse abrufbar seien. 

Die Gesichter der Teilnehmer provozierten die Nachfrage, wer für seine Schularbeit Informationen aus dem Internet verwende. 

2 der Befragten äußerten, sie würden gelegentlich auch Informationen aus dem Internet verwenden; die anderen 14 räumten ein, dass sie keinen Internetzugang nutzen und auch keine Notwendigkeit sehen, während der wenigen Jahre weiterer Berufstätigkeit "so etwas" noch zu lernen. 

Einer der Gesprächsteilnehmer, seit nicht allzu langer Zeit Grundschullehrer im Ruhestand, wurde gefragt, ob er sich das vorstellen könne. Er meinte, für seine frühere Schule schon! Er habe einmal einen Kurs mitgemacht und interessiere sich dafür, seine Kolleginnen und Kollegen eigentlich nicht. So versteht man das folgende Bild:


Das geschätzte Durchschnittsalter der Kolleginnen und Kollegen lag bei 45. Der Vortragende in der Informationsveranstaltung war 73; seit 3 Jahren beschäftigt er sich mit Computern, um das Internet für sein Hobby fruchtbar zu machen. 

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Schreiben Sie selbst einen Kommentar, wenn Sie als Lehrer ihren Berufsstand verteidigen wollen oder wenn Sie als Bürger unseres Landes zu dem Vorfall Stellung nehmen wollen. Er wird mit Ihrer Zustimmung hier veröffentlicht.


 
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Internet und Lehrerbildung - nochmals ein Schock

Gibt es Gründe für diese Beobachtung? Der einfachste wäe, dass schon bewiesen wäre, dass es in der Schule keine Anwendung für das Internet gibt. Dafür gibt es jedoch - leider nur wenige - Gegenbeispiele.

Ein anderer möglicher Grund: Die Kultusverwaltungen der Länder sehen keine Notwendigkeit, das Internet zur Verbesserung des Schulalltags zu verwenden. Das wäre eine bösartige Unterstellung; am guten Willen fehlt es sicher nicht. (Vielleicht fehlt es an den richtigen Ansätzen dazu. Das ist leider sehr plausibel. www.bildungsstandards.de wird zwar nachweislich auch von Kultusverwaltungen oder der Beauftragten gelesen. Entweder finden sie dort nichts Brauchbares - oder sie verstehen nicht, was für Chancen in diesem Site beschrieben werden.)

Es gibt indessen eine Entschuldigung für die Kollegen. Betrachten wir das grüne Holz der Lehrerbildung an einer Lehrerbildungseinrichtung, die sich, verglichen mit anderen, als fortschrittlich bezeichnen kann. Zum Lehrpersonal gehören am 8.5.04 nach den Unterlagen der Internetpräsenz der zugehörigen Hochschule (Der Name wird bei begründeter Anfrage offengelegt.) 193 Personen. Für diese gilt
 

Zahl der Lehrpersonen 
Davon haben eine Homepage
193
32
Die Homepage enthält außer Bild und Sprechstunde (Muster der Hochschule) Informationen zum Studium 22

Von den letzteren enthalten nur ganz wenige auch schulrelevante Informationen, mit anderen Worten: Die Schulrelevanz des Internets scheint an der betreffenden Hochschule kein brennendes Thema zu sein. Auch der Nutzen des Internets in der Lehrerbildung wird kaum fruchtbar gemacht, obwohl es auf einer dieser Homepages heißt:
 

"Liebe Besucherin, lieber Besucher,

im Multimediazeitalter ist die Einrichtung einer Internetseite unumgänglich. Sie finden hier einige Informationen zu aktuellen Dingen, zu meiner Person, für Studierende der <Name der Hochschule> und zu meinen Arbeitsgebieten." (gez. mit Name)

Andere sind  weniger aussagekräftig:
 

"Hallo
hier ist die private wegenderemailwebsite von" (Name)

Außer dem Bild sonst nichts! Geht es hier nur um die Nutzung einer kostenlosen Emailadresse? 

Die Aktualisierungen liegen zum Teil Monate, zum Teil Jahre zurück, zum Beispiel findet man an einer Pädagogischen Hochschule Baden-Württembergs am 12.5.2004


In fast 3 Jahren kein Anlaß für eine Veränderung!

Die Nutzung ist bescheiden: Eine der für Schüler und Lehrer am nützlichsten Seiten - der Autor ist als Kapazität in einem Massenfach über Deutschland hinaus bekannt - hat einen Besucherzähler. Die Seite ist seit 19.1.2001 erst 6116 mal angeklickt worden, davon etliche Male vom Autor von www.bildungsstandards.de . (www.bildungsstandards.de wird in jedem Quartal häufiger angeklickt.)

Manche Kollegen machen es sich leicht mit den Verknüpfungen. Mehrfach wird man - unter Stichwörtern wie "Virtuelle Seminare" - auf eine Seite der Universität Karlsruhe verwiesen, auf der man erfährt

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Deutschland 2004

Das Land leistet sich den Luxus, die Schulen ans Netz zu bringen. Die Schulen sind am Netz, aber fast nirgends wird das Netz für die Verbesserung des Lernens genutzt. Die Einrichtungen für die Lehrerbildung sind am Netz; von einer Netznutzung für das schulische Lernen ist nur wenig zu sehen. Die Wirtschaft findet sich damit ab, daß die Schule viele Jugendliche nicht fähig zur Absolvierung einer Lehre macht. 

Die Politik kümmert sich nicht um die einfachste Methode, die Computer-Investitionen an den Schulen für Verbesserungen des Lernens fruchtbar zu machen: 
Die Einführung von Bildungsstandards nach dem Dortmunder Manifest  (6 Forderungen, die man an konkrete Bildungsstandards stellen muß). 

Das nächste PISA-Desaster kommt bestimmt!

Man könnte mit konkreten und transparenten Bildungsstandards jedes Jahr Hunderte von Millionen Euro sparen. Die Arbeit der Lehrer wäre etliches leichter, und die Schüler hätten Ziele für ihre Lernanstrengungen, für die sich selbstverantwortlich engagieren könnten. 
Das Motivationspotential selbstorganisierten Lernens - Stichwort: Lernen lernen - wird im Bereich des schulischen Lernens in Deutschland nicht ausgeschöpft.


 
Zur Sicht der Schüler

Im Ulmer Münster steht eine Gebetswand. Sie wird auch von Kindern und Schülern viel benützt. Meistens geht es um Angst vor Klassenarbeiten und Kriegen, oft um gute Noten.

Auch beim folgenden Gebet geht es um die Schule: