Stand 14.3./31.7.2004
Entwicklung konkreter Bildungsstandards
als Basisinnovation für modernes Lehren und Lernen

Am 31.7.04 wurde zur 2. Runde des Gründerwettbewerbs "Mit Multimedia erfolgreich starten" ein Beitrag zum Thema (ca. 330 kB :PDF) eingereicht.
 
 

1 „Stand der Technik“ des Lernens in Deutschland
2 Ziel der Entwicklung
3 Das Vorgehen
4 Vorarbeiten
5 Folgen für Lernende
6 Folgen für Lehrkräfte
7 Folgen für die Wirtschaft
8 Folgen für die Gesellschaft

1 „Stand der Technik“ des Lernens in Deutschland

Der Lernerfolg der Schüler wird in der Regel nach rund 500 000 verschiedenen Normen (je eine pro Lehrer) in Schulnoten gemessen. Die Meßergebnisse entstehen in vier Willkürschritten und sind in keiner Weise vergleichbar. (Siehe zum Beispiel

www.ph-ludwigsburg.de/mathematik/personal/nestle/alternativen/kap1.htm#16

Für die Zukunft sind in verschiedenen Bundesländern mehr zentrale Vergleichsarbeiten - zum Teil mit zentraler Korrektur - geplant. Die Anforderungen werden indessen vorab nur grob umrissen. 

Die Ziele des Lernens bleiben für die Schüler, zum Teil auch für die Lehrer, oft im Ungewissen: Statt Transparenz Raum für Mauscheleien.

Analog wird an den Hochschulen das Basiswissen vermittelt. Dort gibt es indessen schon zaghafte Ansätze, moderne Informationstechnik zur Unterstützung der Lehrveranstaltungen heranzuziehen. Konkret wird das Problem zusätzlich dort, wo ECTS-Punkte die europaweite Anerkennung von Studienleistungen möglich machen sollen.
 

2 Ziel der Entwicklung

Bildungsanforderungen werden für alle Schulfächer und für weitere Themen (Wirtschaft, Politik, Technik, ...) als Aufgabenklassen in einer Datenbank öffentlich im Internet so zugänglich gemacht, dass sie zu beliebiger Zeit  unmittelbar vom  einzelnen Lernenden mit sofortiger Rückmeldung bearbeitet werden können. 
Siehe zum Beispiel (für das Ende der Grundschule)

www.bildungsoptionen.de/dilli/einmal.htm
oder 
www.bildungsoptionen.de/dilli/rabe.htm.

Zusätzlich muß die Möglichkeit einer zertifizierbaren Bearbeitung angeboten werden. Langfristig soll eine zertifizierte Bearbeitung einer entsprechenden Schulnote gleichgestellt werden. Kurzfristig können sich die Abnehmer der öffentlichen Schulen (Wirtschaft, weiterführende Bildungseinrichtungen, ...) nicht nur an Schulnoten sondern auch an zertifizierten Kenntnissen und Fähigkeiten orientieren. Mehr Information dazu findet man unter www.bildungsoptionen.de/manifest.htm. Wichtig ist das Lernergebnis, nicht der Weg dazu.

3 Das Vorgehen

Das in (2) skizzierte Ziel kann auf verschiedene Art erreicht werden. Eine gigantische Anstrengung wie für die Mondlandung ist ein teurer und langwieriger Weg. Wir können uns diesen Weg nicht mehr leisten.

Alternativ ist denkbar, die Entwicklung in einem  open-source-Verfahren mit Tausenden von freiwilligen Helfern voranzutreiben. Unter anderem ist das Computerbetriebssystem LINUX so entstanden. In  manchen Anwendungen ist LINUX  kommerziellen Entwicklungen  überlegen. Es gibt nicht wenig Lehrer, die gern an solchen Systemen mitarbeiten würden. Pionierarbeit findet man beispielsweise bei einer kleinen Gruppe von Schweizer Lehrern (www.ateus.ch).

4 Vorarbeiten

Erste Standards dieser Art hat der Autor Ende der Sechzigerjahre des letzten Jahrhunderts am halbstaatlichen Institut für Film und Bild (FWU) entwickelt und kürzlich als MP3-Dateien im Internet zugänglich gemacht 

(www.ph-ludwigsburg.de/mathematik/personal/nestle/normzeit/nor.htm).
Die Expertise zur Entwicklung nationaler Bildungsstandards des BMBF und die Bildungsstandards für den Mittleren Schulabschluß der KMK arbeiten die historische Entwicklung bis zu den Achzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts auf; sie ignorieren  die  moderne Informationsverarbeitung. Der Autor sammelt über www.bildungsstandards.de zukunftsorientierte Entwicklungen als Grundlage für konkrete Bildungsstandards.

5 Folgen für Lernende

Durch freien Zugang zu konkreten Bildungsstandards wird selbstorganisiertes Lernen gefördert. So haben zum Beispiel viele Jugendliche den Umgang mit dem Computer  lang vor ihren Lehrern gelernt; sie haben ein Ziel gesehen, das sie mit eigener Anstrengung erreichen konnten. Kinder und Jugendliche haben keine Angst vor dem Internet und nutzen es intensiv.  Wenn sie dort Zugriff auf Ziele erhalten, an denen sie sich selbständig messen können, nutzen sie die Chancen für objektive Rückmeldungen und können ihre eigene Intelligenz für die Organisation von Lernen einsetzen. Besonders attraktiv wird es, wenn dazu Wettbewerbe organisiert werden. 

Ein Teil der Jugend trainiert für Olympia, ein Teil musiziert. Dafür gibt es Förderung. Es ist an der Zeit, dass auch der Erwerb kognitiver Qualifikationen gefördert wird. Was wir in diesem Bereich heute entwickeln, sichert unsere zivilisatorische Zukunft schon in einem Jahrzehnt.

6 Folgen für Lehrkräfte

Langfristig verändern öffentlich zugängliche Bildungsstandards den Lehrerberuf. Das zur Zeit  in handwerklicher Einzelarbeit ausgeübte Informations- und Bewertungsmonopol des Lehrers wird abgelöst, und der Lehrer wird als Lernorganisator und Lernberater aufgewertet. Zugleich mindert sich der Druck auf den Lehrer, gute Noten ohne Rücksicht auf den den erreichten Lernstand zu verteilen.

7 Folgen für die Wirtschaft

Die ausbildenden Betriebe werden entlastet, wenn ein Teil der Entwicklung von Grundqualifikationen aus der Ausbildungszeit wieder in die vorausgehende Schulzeit zurückverlagert und das hohe Lernpotential der Kinder und Jugendlichen rechtzeitig genutzt wird. Berufsanfänger sollten zum Beispiel rechnen können.

8 Folgen für die Gesellschaft

Die Fehlallokation von Ressourcen im Bildungsbereich wird geringer. Siehe zum Beispiel 

www.bildungsoptionen.de/200mio.htm

März 2004, Nestle