Seminararbeit
im Fach Mathematik
Umwandlung von Abschlussprüfungsaufgaben in Multiple-Choice Aufgaben ohne Verlust des Anspruchniveaus
Vorgelegt von Michael Tuttas, 15.10.2004
Die vollständige Arbeit (21 kB) und ihr Titelblatt (4 MB) stehen als Download als .DOC-Datei zur Verfügung
Fritz Nestle dankt Herrn Tuttas dafür,
dass er die Arbeit für die Publikation im Site Bildungsstandards zur
Verfügung gestellt hat. Sie zeigt,
- dass es Lehrer gibt, die sich ernsthaft
mit der Erleichterung und der Objektivierung der Korrektur von Prüfungsaufgaben
auseinandersetzen,
- dass es Schüler gibt, die viel
Zeit in die Entwicklung von Alternativen zur herkömmlichen Prüfungspraxis
investieren,
- dass allein schon MC-Aufgaben genügen,
um Aufgaben auf Abitursniveau zu formulieren,
- dass MC-Aufgaben von
den Schülern selbst korrigiert werden können,
- dass Schüler über die Bewertung
von MC-Aufgaben nachdenken
- dass der open-source-Ansatz für
die Entwicklung überprüfbarer Bildungsstandards nicht
unrealistisch ist, sobald die kritische Masse einmal erreicht ist, und
dass auch Schüler dazu beitragen können.
Inhaltsverzeichnis der vollständigen Arbeit; die Ausschnitte auf die hier verknüpft ist, sind blau gekennzeichnet.
Im Teil B der Arbeit werden Aufgabenformen
erörtert
B. Verschiedene Arten von Multiple-Choice
5
1. Unterarten 5
A. Einfachwahl 5
B. Mehrfachwahl 5
C. Reihenwahl 6
2. Obergruppierungen 6
A. Identifikationsaufgaben
6
B. Alternativaufgaben
6
C. Antwortauswahlaufgaben
8
D. Assoziationsauswahlaufgaben
9
E. Ergänzungsauswahlaufgaben
10
F. Substitutionsauswahlaufgaben
10
G. Erweiterungsauswahlaufgaben
10
H. Zuordnungsaufgaben
10
I. Umordnungsaufgaben
11
C. Multiple-Choice in der Mathematik 12
Teil D enthält die eigenständige
fachdidaktische Arbeit von Herrn Tuttas
D. Analysis Abschlussprüfung in der
Mathematik auf Multiple-Choice-Basis 14
1. Abschlussprüfung
2003 A1 14
2. Anhang 23
1. Literaturverzeichnis 30
2. Lösung der Abschlussprüfung
30
A. Einführung
Im nachfolgenden Text werden Extemporale,
Schulaufgaben und Abschlussprüfungen, die einem ständigen Prozess
der Weiterentwicklung unterliegen und somit in entfernterem Sinne zu der
Kategorie der Tests gezählt werden können, unter dem Begriff
„Schulprüfungen“ zusammengefasst. Als Tests definiert man „prüfbare
Prüfverfahren“ (Rütter, 1973), die typisiert und standardisiert
werden und bei der Erstellung, beziehungsweise der Korrektur fast frei
von subjektiven Einflüssen sein sollten. Wobei jedoch Objektiv der
falsche Begriff ist. Ein geeigneter Ausdruck wäre dafür: Intersubjektivität.
„Intersubjektivität bedeutet, dass es eine reine Objektivität
nicht geben kann, da zur Aussage, dass etwas objektiv ist, ein Mensch benötigt
wird, der wiederum nicht frei von subjektiven Einflüssen ist “ (vgl.
Rütter, 1973). Ein Test wird folglich ständig weiterentwickelt
und sollte durch den Prüfling selbst, wie auch durch den Korrektor
überprüft werden. Darüber hinaus sollten diese Tests auf
den Prüfling einen gewissen Impuls ausüben, um bei ihm dann ein
bestimmtes Verhalten hervorzurufen. Aus diesem Grund dürfen Schulprüfungen
in sprachlichen Fächern nicht als Tests bezeichnet werden, in den
naturwissenschaftlichen Fächern und der Mathematik dagegen scheinen
Schulprüfungen die Kriterien auf den ersten Blick zu erfüllen.
Bei genauerer Betrachtung hingegen dienen sie nicht dem eigentlichen Lernprozess,
der zu dem festen Bestandteil der Kriterien gehört, sondern sind immer
abschließend für ein Thema gedacht. Derartige Schulprüfungen
sind also nur eine Endkontrolle. Tests lassen sich in folgende Strukturen
aufteilen:

Für Fachabiturprüfungen sollte
man mit sechs vorgegebenen Lösungen arbeiten, weil mit dieser Anzahl
ein optimaler Kompromiss zwischen Übersichtlichkeit und Ratewahrscheinlichkeit
gegeben ist. Für Multiple-Choice-Aufgaben ist eine Beschränkung
auf Antwortauswahlaufgaben und Assoziationsauswahlaufgaben sinnvoll. Bei
Beiden ist die Unterart der Reihenwahl zu bevorzugen, da sie als einzige
ein hohes Niveau gewährleistet. Für diese beiden Obergruppen
habe ich mich entschieden, weil es mit ihnen am besten möglich ist
mathematische Kenntnisse abzufragen. So kann man mit den Antwortauswahlaufgaben
Lösungsansätze und Vorgehensweisen überprüfen, während
wiederum für komplette Rechnungen die Assoziationsauswahlaufgaben
am geeignetsten sind. Hierbei sollte man jedoch beachten, dass jedes Zwischenergebnis
und das angegebene Endergebnis der Rechnung auf drei bis vier Stellen nach
dem Komma gerundet werden muss. Diese Methode wird angewandt um zu verhindern,
dass man durch einfaches Einsetzen der angebotenen Endergebnisse auf die
richtige Lösung kommt. So kann es zum Beispiel vorkommen, dass manche
der vorgegebenen Antworten zwar dem optimalen Ergebnis näher kommen,
aber dennoch falsch sind, weil bei richtig erfolgtem Runden der Zwischenergebnisse
das Endergebnis vom optimalen Wert etwas weiter entfernt liegt. Beim Erstellen
des Antwortangebotes sind die verschiedenen Algorithmen der unterschiedlichen
Taschenrechner zu beachten, denn die Unterschiede im Lösungsangebot
sollten größer gleich 0,01 sein. Eine weitere Möglichkeit,
das Niveau der Aufgaben zu erhöhen ergibt sich, wenn man die richtige
Lösung nicht angibt, stattdessen eine der sechs Antworten lautet,
das keine der hier angegebenen Lösungen richtig sind.
Als Bewertungsschema
für Multiple-Choice-Aufgaben ist es denkbar pro richtiggewählter
Antwort einen Punkt zu vergeben, für jede nicht angekreuzte Lösung
null Punkte und für alle falsch markierten Antworten einen Punkt abzuziehen.
Allerdings ist die minimale Punktzahl pro Aufgabe nicht kleiner als null.
Um eine Vergleichbarkeit zu herkömmlichen Abschlussprüfungen
herzustellen, ist die erreichte Punktezahl abschließend in Prozent
umzurechnen.
Abschließend vertrete ich die Meinung,
dass es möglich ist eine herkömmliche Abschlussprüfung im
Fach Mathematik in eine Prüfung auf Multiple-Choice-Basis umzuwandeln,
ohne dabei das Anspruchsniveau zu verlieren. Dies bestätigten auch,
unabhängig voneinander diejenigen Personen welche meine transferierte
Abschlussprüfung durchrechneten. Laut ihrer Aussage ist das Niveau
der MC-Prüfung ungefähr dasselbe wie das einer normalen Prüfung.
Wie ich ebenfalls feststellen konnte, kann man die Schwierigkeit von solchen
MC-Tests auch weiter erhöhen. Daher komme ich zu dem Schluss, dass
man solche Prüfungen an allen Schulen einsetzen könnte. Nachteilig
bei der Erstellung der Prüfung war der hohe Zeitaufwand. Insgesamt
habe ich etwa 40 Stunden nur für die Prüfung benötigt, vermutlich
kann man die Erstellungszeit, mit etwas Übung auf 15 bis 20 Stunden
drücken. Deshalb würde ich MC-Prüfungen erst ab einer Anzahl
von zwei oder drei Klassen empfehlen. Der Vorteil ist unbestreitbar die
niedrige Korrekturzeit, die bei einer Abschlussprüfung circa fünf
bis acht Minuten betrug.
Selbst die Prüfungszeiten stimmen
mit denen einer normalen Abschlussprüfung überein.
Als sehr problematisch bei der Umwandlung,
stellten sich die Aufgaben heraus, welche einen schriftlichen Lösungsweg
abfragten. Die Schwierigkeit hierbei war es alle Formulierungen so zu wählen,
dass sie jeder Schüler verstehen konnte. Dies waren auch die einzigen
Aufgaben, bei denen meine Testkandidaten länger brauchten um sie zu
verstehen. Verwunderlich ist allerdings, dass nur ein einziger Kandidat
bei diesen Aufgaben nicht die volle Punktezahl erreichte.
Die meisten Fehler, die gemacht wurden
sind nur durch ungenaues Lesen zu erklären. Speziell bei Aufgabe 1.7.1.1
wurde meistens Antwort eins angekreuzt. Obwohl man durch einfaches einsetzen
von null für den x-Wert der gegebene Gleichung auf die richtige
Antwort zwei kommen könnte.
Einzig die Testperson aus dem Gymnasium
erhielt in der Prüfung die gleiche Note wie im Zeugnis. Bei den Kandidaten
aus der BOS konnte sich einer, um eine Note verbessern. Der andere, verschlechterte
sich um drei Notenstufen. Vermutlich ließ er sich beim Schreiben
der Prüfung zu sehr vom Fernseher ablenken.
Angaben zu den Testkandidaten:
Mayer Peter, BOS-Rosenheim, Technik Zweig
Schmidmeier Michael, BOS-Rosenheim, Technik
Zweig
Tuttas Sabine, Gymnasium Bad Aibling,
Mathematik Leistungskurs