Stand 6.12.04/15.10.05/5.6.07
PISA II  und das Lernen im 21. Jahrhundert
Vom 19. ins 21. Jahrhundert
Schule – ein überholtes Modell!
Genormte, überprüfbare und öffentlich zugängliche Bildungsstandards als grundlegende Innovation
Beispiele für Bildungsstandards, wie sie Kindern gefallen würden

Vom 19. ins 21. Jahrhundert

In den vergangenen zweihundert Jahren hat es auf vielen Gebieten Fortschritte gegeben.

Meine Großmutter, 1864 geboren,  hat das Wasser zum Kochen und Waschen noch am Dorfbach geholt. In der Kindheit meines Vaters, 1883 geboren, gab es, wenn überhaupt, nur Kerzen als Beleuchtung; die Öllampe war ein Fortschritt. In meiner Jugend wurde das Getreide von Hand gemäht und zu Garben gebunden. Die Garben wurden zum Trocknen aufgestellt, später auf den „gelben Wagen“ geladen und in der Scheune bis zum Winter gestapelt. Gedroschen wurde anfangs noch mit Dreschflegeln. Das dauerte den ganzen Winter. Später kam die Dreschmaschine für ein paar Tage. Die Garben wurden von Hand an die Dreschmaschine geschleppt. Heute erledigt der Mähdrescher alle diese Prozesse in einem Arbeitsgang; das Wasser kommt aus der Leitung und der Strom aus der Steckdose. Ein Rückschlag am Ende des zweiten Weltkriegs: Das Wasser holten wir mit dem Handwagen von einer 800 Meter entfernten Quelle. Wochenlang fehlte der Strom; die Petroleumlampe wurde wieder flott gemacht, wenn der Tag für eine Arbeit nicht ausreichte. Vorbei!

Was machen Sie, wenn Sie ein paar Schuhe brauchen? Sie gehen ins Schuhgeschäft und wählen aus einem großen Angebot ein Paar aus, das ihnen passt und gefällt und bezahlbar ist. Früher entstanden Maßschuhe individuell angepasst für jedermann in handwerklicher Einzelarbeit in rund 150 Schritten und rund 50 Stunden. Heute arbeitet der Schuhmacher nur noch für verkrüpelte Füße und für Leute, die in einem Vierteljahr  mehr verdienen als der Durchschnittsbürger in seinem ganzen Leben.


Schuhe: Handarbeit  vor 5 000 Jahren, industrielle Produktion heute
(Quelle: Bitte Bild anklicken)


Schule – ein überholtes Modell!

Was machen Sie, wenn Sie Bildung brauchen?

Die Schule ist heute noch so organisiert wie im 19. Jahrhundert. Die Klassen sind kleiner geworden, aber für jede Klasse werden die Unterrichtstunden immer noch in handwerklicher Einzelarbeit vorbereitet. Die Lehrperson ist „Mädchen für alles“; sie ist nicht nur für die Unterrichtsvorbereitung verantwortlich, sondern auch für die Lernerfolgskontrolle, Verwaltungsarbeiten und manches andere. Keine Rede von einem Vormittagsjob. Wie der Schuhmacher vor zweihundert Jahren!

Die Schüler sind schwieriger als früher – und anspruchsvoller, weil sie mit den zahlreichen Lernangeboten außerhalb der Schule vergleichen. Wären da nicht die Schulpflicht und die Berechtigungen, die nur die Schule verleihen kann, wer weiß, es könnte eine Abstimmung mit den Füßen geben. Stattdessen gehen viele Schüler fatalistisch in die innere Emigration. Ergebnis: PISA.

Die klassische Schule ist für das 21. Jahrhundert eine gigantische Fehlinvestition
die Lehrerbildung, die heute noch auf diese Schule vorbereitet, nicht minder.

So wie in der Gesellschaft erst die Trennung der drei Gewalten Legislative, Exekutive und Jurisdiktion eine sichere Entwicklung garantiert hat, muss auch das Lernen neu organisiert werden.
Die wichtigste Neuerung besteht darin, den Lehrer vom Aufwand für die Lernkontrolle zu entlasten und allgemein überprüfbare Ziele zu definieren. Einige Zeit nannte man das „zielerreichendes Lernen“, heute spricht man von „Outputorientierung“. 

Die sogenannten Bildungs-“Standards“ der KMK sind dafür nicht hilfreich, auch wenn sie vielfach in den Medien als Fortschritt gefeiert werden. Dagegen sind TIMSS und PISA I/II Schrittchen in die richtige Richtung. Das Hauptdefizit dieser Untersuchungen ist die mangelnde Transparenz der einzelnen Phasen bis zum Schlussbericht und die mangelnde Zugänglichkeit. Die Geheimhaltung der Aufgaben verhindert eine agressive, selbstgesteuerte Auseinandersetzung der Jugendlichen mit den Sachanforderungen. Das finden sie nur bei Computerspielen  (siehe auch Killerspiele) – und widmen ihnen viel Zeit.

Eine wirkliche Reform des Lernens wäre viel zweckmäßiger als eine Herumreformiererei an der Schule. Um im Bild von den Schuhen zu bleiben: Die Medien diskutieren, wo der Schuhmacher seine Werkzeuge hinlegen soll. So kommt man nie zu einer Schuhfabrik, noch weniger zu Normen, mit deren Hilfe man Schuhe beurteilen kann. Wer glaubt, die Reform des Lernens durch Verordnungen zum Lehrerverhalten einleiten zu können, irrt. Das wird schon seit mehr als hundert Jahren erfolglos versucht. Es geht um einen neuen Ansatz.


Genormte, überprüfbare und öffentlich zugängliche Bildungsstandards als grundlegende Innovation

Die Entwicklung der industriellen Produktion wurde durch Normung eingeleitet. 1870/71 hat Deutschland als „Kriegsbeute“ von den Franzosen das Metermaß übernommen. Während des ersten Weltkriegs wurde zur Vereinfachung der Rüstungsproduktion das Deutsche Institut für Normung (DIN) gegründet. Seither gibt es genormte Halbzeugprodukte wie Schrauben, Röhren, Papier, ..., aus denen jeder Produzent das für ihn Passende heraussuchen kann.

Wie könnte die Reform des Lernens aussehen? Der unverzichtbare und wichtigste Schritt sind überprüfbare Bildungsstandards, das heißt, ein Analogon zu den DIN-Normen für die Standardbildung. Die heutige Informationstechnik macht es einfach, solche Standards im Internet allgemein zugänglich anzubieten. Wer lesen und schreiben kann und weiß, was für Kenntnisse und Fertigkeiten nachgefragt werden, kann in der Regel sein Lernen selbst am besten organisieren und optimieren. (Siehe auch Handytest)

Welche Anforderungen an solche Bildungsstandards gestellt werden sollten, ist im Dortmunder Manifest niedergelegt. Zertifizierte Bildungsnachweise nach diesen Regeln haben fast nur Vorteile:
 
 

- Schüler (und Studienanfänger) erfahren, was für Erwartungen an sie gestellt werden. Sie können ohne Beobachter und Gruppendruck so lange üben, bis sie selbst mit dem Ergebnis zufrieden sind. Sie sind nicht Gefangene des Geleitzugs in der Schulklasse, sondern können nach eigenem Tempo lernen. Sie müssen aktiv werden. (Das kann dazu führen, dass sie schon viel früher Abitursniveau erreichen als jetzt. Große Naturwissenschaftler wie Justus von Liebig,  Max Planck und viele andere haben die Schule mit 16 abgeschlossen.)

- Lehrer werden von der Bewertung der Schulleistungen entlastet, bei der sie jetzt zu einer vierstufigen Willkürentscheidung gezwungen sind. Die aus der Bewertung resultierenden Schulnoten haben keine klassenübergreifende Bedeutung; sie sind deshalb fast ohne objektiven Informationswert. Die Bewertung von Schulleistungen beansprucht mehr als 10 % der Lehrerarbeitszeit – eine klare Fehlallokation von Resourcen.

- Personalentwickler erhalten eine objektive Grundlage für ihre Auswahl. Wer in einem kurzen Zeitraum viele Zertifikate erworben hat, zeigt damit seine kognitive Leistungsfähigkeit und kann daher entsprechend eingesetzt werden. Zugangstests können weitgehend entfallen.

- Die Gesellschaft erhält einen besseren Überblick über die rund 100 Milliarden Euro, die jährlich im Bildungswesen versickern. Kurzfristig können neue Themen als Bildungsziele angeboten werden, indem man die zugehörigen Bildungsstandards ins Netz stellt. Die Chancen der bisher Benachteiligten, sich ihrer Begabung entsprechend fortzuentwickeln, wachsen.
 

Beispiele für Bildungsstandards, wie sie Kindern gefallen würden

Deutsch ab Klasse 4:
- http://www.bildungsoptionen.de/dilli/fuchsa2.php
  oder allgemeiner http://www.bildungsoptionen.de/dilli/fuchs.php

Mathematik ab Klasse 3:
- http://www.bildungsoptionen.de/dilli/einmal.htm

Die Kinder erhalten gleich nach der Arbeit Rückmeldungen zum Ergebnis.

Mehr zum Thema finden Sie unter 

http://www.bildungsstandards.de, weitere Beispiele unter http://www.bildungsoptionen.de/praxis.htm

Blau unterlegte Begriffe sind auf weiterführende Informationen verknüpft.