Arbeitsfassung Stand 04.01.04
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Warum Bildungsstandards als "open source"?

Eine genauere Erläuterung des Begriffs "open source" findet man unter http://www.oreilly.de/german/freebooks/os_tb/os_tb_1.htm#HEADING1-7.

Bei "open source" handelt es sich um eine Methode zur Entwicklung von Informationsobjekten. Ein eindrucksvolles Ergebnis der Methode ist das Betriebssystem LINUX, das von Tausenden freiwilliger Mitarbeiter auf seinen heutigen Stand gebracht wurde, auf dem es anderen UNIX-Betriebsystemen oder den Microsoft-Betriebssystemen wegen seiner guten Performanz vorgezogen wird.

Bei "open source"-Entwicklungen sind die Quelldateien öffentlich zugänglich. Jeder hat das Recht, Verbesserungen oder Erweiterungen vorzuschlagen. Das sichert eine vielfältige Kontrolle der Entwicklung und vermeidet Einseitigkeiten. (Das Gegenstück dazu ist eine Geheimniskrämerei, bei der nur Endergebnisse veröffentlicht werden und eine nachträgliche Verbesserung nicht besonders erwünscht ist.)

Die Entwicklung der von der KMK beschlossenen Bildungs-"Standards" ist ein Beispiel für eine gemischte Methode. In einem ersten Schritt wurde im Juli 2003 ein Entwurf veröffentlicht; Stellungnahmen zu diesem Entwurf wurden zunächst veröffentlicht, dann aber von nicht genannten Experten bei der Erstellung der im Dezember 2003 beschlossenen Endfassung mehr oder weniger berücksichtigt. Die Stellungnahmen hat die KMK nach Fertigstellung der Endfassung wieder aus dem Internet entfernt. Das Ergebnis, die Bildungs-"Standards" für den Mittleren Schulabschluß, verdient den Namen Standard nicht; es handelt sich um einen neuen Namen für verhältnismäßig abstrakte Rahmenlehrpläne, aus denen wenig Konkretes abzulesen ist. (Zitat aus einer Email, die mich am 7.1.04 erreicht hat: "Die Bildungsstandards sind natürlich schon spannend, da sie ja völlig dilletantisch im Vergleich zu den NCTM-Standards ... sind.") Manche Bundesländer haben die Rahmenlehrpläne bereits in Landeslehrpläne umgesetzt, die sie gleichfalls als "Standards" bezeichnen.

Echte Standards beruhen auf  konkreten  Normen, deren Erreichen mit Hilfe offener und transparenter Kriterien festgestellt werden kann. Das Deutsche Institut für Normung e.V. setzt einen jährlichen Preis aus zum Thema "Nutzen der Normung". Das DIN vergibt den DIN-Preis jährlich für den überzeugendsten Nachweis des Nutzens der Normung.  2003 wurde der Preis vergeben für die Nutzung eines international genormten Kindersicherungssystems (ISOFIX nach ISO 13216 in Verbindung mit DIN 75400), das die Häufigkeit von Einbaufehlern bei Kindersitzen von 80 auf 4 Prozent vermindert. Die durch ISOFIX  allein 2001 vermiedenen Kosten werden auf auf 18,7 Millionen Euro beziffert. Was dadurch an Leid vermieden worden ist, liegt außerhalb des Bereichs, der beziffert werden kann.

Echte Bildungsstandards können nicht nur Kosten sparen, sondern einen gleichfalls nicht bezifferbaren Beitrag für selbstverantwortetes, effektiveres Lernen der Kinder, für eine Verbreiterung der inhaltlichen Bildungsbasis in Wahlbereichen sowie für eine Modernisierung des Lehrerberufs liefern, das heißt, sie tragen zur Erleichterung der schweren Arbeit des Lehrers bei. Dazu ist es freilich nötig, das Angebot nicht auf das zu begrenzen, was im Gehirn des Verantwortlichen bei der KMK Platz hat, sondern es in Form und Inhalt zu öffnen, das heißt, Bildungsstandards in einem "open source"-Verfahren zu entwickeln. So erhalten sowohl neue Lernumgebungen für Kinder als auch inhaltlich alternative Lernangebote eine Chance.

Es ist nicht gut, wenn echte Bildungsstandards hinter verschlossenen Türen entstehen. Es ist vielmehr nötig, das Engagement aktiver Lehrer zusammenzuführen und damit für Lernen und Lehren jedem zugänglich zu machen, de sich dafür interessiert. Wie sollte das besser gelingen als durch die Übertragung der "open-source"-Methode auf den Bereich der Bildungsstandards. Grundlegende Anforderungen an Bildungsstandards sind im Dortmunder Manifest zusammengefaßt