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für den Mittleren Schulabschluss Entwurf (Stand vom 04.07.2003) Sekretariat
der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der
Bundesrepublik Deutschland
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Der
Autor hatte als Lehrbuchautor und Medienproduzent umfangreiche Erfahrung
mit Lehr- und Bildungsplänen für das Fach Mathematik vor allem
in den Sechziger- und Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts; als
Hochschullehrer in der Lehrerbildung hat er diese Erfahrung vertieft und
unter neuen Gesichtspunkten aufgearbeitet. Dabei kommt er zu Schlußfolgerungen,
die teilweise über das oben genannte Papier hinausgehen.
| Kurzkritik
Was als inhaltliche Desiderate für das Ergebnis des Mathematikunterrichts in dem oben genannten Papier dargestellt wird, ist beste mathematische und schulische Tradition - und unter dem Namen "Bildungsstandards für das Fach Mathematik" in den Augen des Autors dieser Kommentare ein reiner Etikettenschwindel. Es ist eine eigenwillige Interpretation des Begriffs Standard, der den Titel des Papiers rechtfertigen muß. Was als Standards ausgegeben wird, sind in Wirklichkeit vage Beschreibungen mit einem riesigem Spielraum für Interpretationen, der durch zehn Beispielaufgaben nur unwesentlich eingeschränkt wird. Ein Beispiel für eine willkürlich herausgegriffene "Kompetenz" zur "Leitidee" Strukturieren in der Ebene und im Raum (S.13 im Papier): Die Schülerinnen und Schüler operieren gedanklich mit Strecken, Oberflächen und Körpern. Geschieht
das in ausreichendem Maß,
Es gibt Menschen, die mit der ersten Aufgabe bereits gefordert sind, und es gibt Menschen, die die zweite Frage nach kurzer Arbeit richtig beantworten können (Probieren Sie es einmal!). Soll beiden die gleiche Kompetenz zugesprochen werden? Ein Standard im Normalverständnis liegt erst vor, wenn das Vorliegen der zugehörigen "Kompetenz" mit einem einsichtigen und reproduzierbaren Verfahren festgestellt werden kann. Für keine der im Papier aufgeführten "Kompetenzen" wird ein solcher Standard definiert. Damit werden durch die "Bildungsstandards für das Fach Mathematik" genau die Strukturen des Bildungswesens verfestigt, die zu dem Desaster bei TIMSS und PISA geführt haben: Der Lehrer bleibt in der bisherigen korrumpierenden, zur Manipulation zwingenden Ungewißheit über die Bildungsziele; es bleibt kein Platz für neue Lernformen (selbstorientiertes Lernen, Telekolleg, ...), solange dem Lehrer in einer Person
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Die ersten drei Kapitel des Mathestandards sind in der einen oder anderen Form enthalten in allen Lehrplänen, die später Bildungspläne, heute Bildungsstandards genannt werden (Präambel, Bildungsziele, inhaltliche Anforderungen) . Bei aller Kritik im einzelnen und möglichen Verbesserungsvorschlägen handelt es sich um eine qualifizierte überzeugende Arbeit, sofern man Mathematiklernen als Teil einer klassisch erworbenen Schulbildung deutscher Prägung versteht.
Eine Ausrichtung auf moderne, konkurrierende Lernformen mit einer anderen Lehrerrolle ist nicht zu erkennen und war wohl auch - leider - nicht beabsichtigt. Bezüge zu alternativen Lernorganisationen der Gegenwart (VH-Zertifkikate, Telekolleg, Fernuni) sind nicht zu erkennen. Im Gegensatz zu den Fremdsprachenstandards, in denen wenigstens auf modernere ausländische, internetgestützte Lernkonzeptionen hingewiesen wird, bleibt die Einbeziehung des Internets in modernes Mathematiklernen so vage, daß die begründete Vermutung besteht, daß die Autoren der Mathestandards in diesem Bereich nicht auf eigene Erfahrungen oder Überlegungen zurückgreifen können.
Die Ausführungen dieser ersten drei Kapitel bleiben auf einer Abstraktionsebene, deren konkrete Umsetzung hochqualifizierter Mathematiklehrer bedarf. Deren quantitativer Anteil an der Lehrerschaft wird nicht diskutiert. Vermutlich ist auch nicht daran gedacht, die Fähigkeit zum Verständnis der Texte, noch weniger also deren Umsetzung in Unterricht, vor dem Inkrafttreten empirisch zu überprüfen. Gerade darin dürfte indessen die Problematik liegen, deren Folgen durch PISA aufgedeckt worden sind.
Insofern stellen die Mathestandards keinen Fortschritt dar. Es ist vielmehr zu befürchten, daß damit der derzeitige Zustand des Schulwesens zementiert wird. Der Begriff Standard wird in so vager Form verwendet wie etwa beim Wort Lebensstandard; eine Präzisierung der Art, wie sie im vergangenen Jahrhundert durch Einrichtungen wie DIN oder ISO zum allgemeinen Vorteil erreicht worden ist, ist nicht zu erkennen.
Ein
Lichtblick ist nur das Kapitel 4, in dem durch die Angabe von Modellaufgaben
eine Konkretisierung für die abstrakten Vorkapitel angedeutet wird.
Gerade hier könnte indessen viel getan werden, um konkrete Unterrichtsziele
zu verdeutlichen. Wie an anderer
Stelle ausgeführt, könnte man auf dem Umweg über Beispielsammlungen
mit Klassen äquivalenter Aufgaben den Weg für moderne Zugänge
zum Mathematikverständnis öffnen. Die Beispiele selbst sind zum
Teil hervorragend, zum Teil auch bedenklich. Eine Übersicht gibt die
nachstehende Tabelle. Kommentare im einzelnen sind den
Aufgaben selbst beigefügt.
| Nr | Anforderungen | Lösungshinweise | Verallgemeinerungsfähigkeit zu Aufgabenklasssen |
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ausreichend | sehr gut; verschiedene Niveaus realisierbar | |
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einseitig | mühsam | |
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ausreichend | sehr gut; verschiedene Niveaus realisierbar | |
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vollständig | sehr gut; verschiedene Niveaus realisierbar | |
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knapp | mühsam | |
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ausreichend; politisch nicht neutral | gut; verschiedene Niveaus realisierbar | |
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knapp | mühsam auf gleichem Niveau | |
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einseitig | gut; verschiedene Niveaus realisierbar | |
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knapp | ausreichend | |
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Aufgabe sehr offen |
einseitig | befriedigend aber nicht unproblematisch |
Folgende
Fragen sind offen
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Warum wird ein sprachliches Darstellungsniveau verwendet, das fachlich
nicht vorgebildeten Erwachsenen sowie den Lernenden selbst ein Verständnis
der beschriebenen "Standards" verwehrt?
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In welchem Umfang kann bei Mathematiklehrern, mehr noch bei fachfremd unterrichtenden
Kollegen, die Qualifikation zur Umsetzung der Mathestandards in effektiven
Unterricht vorausgesetzt werden.
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Wir weit reicht die Lernfähigkeit der Schüler aus, mathematische
Kompetenzen im vorgesehenen Umfang zu erwerben.
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In welchem Ausmaß ist denkbar, Niveaus dieser Kompetenzen zu definieren,
die ohne Verzicht auf den allgemeinen Anspruch den Niveaus der Lernfähigkeit
der Schüler angemessen sind.
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Ist die Perpetuuierung der klassischen Schularbeit beabsichtigt, bei der
in vermeidbarer Parallelarbeit Zehntausende von Lehrern ihre Zeit für
die handwerkliche, nicht immer optimale Aufbereitung des jeweils gleichen
Themas einsetzen und auf die heute einfach realisierbare "Objektivierung"
(Modeausdruck der Siebzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts) der Unterrichtsinhalte
verzichtet wird? Am Beispiel Computer haben die Schüler landauf, landab
gezeigt, daß es Lernbereiche gibt, in denen die Schüler ohne
Unterricht auch heute noch selbständig mehr Kompetenz erwerben als
viele ihrer Lehrer trotz aufwendiger Lehrerfortbildung erreichen.
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Warum wird auf moderne Medien und Methoden verzichtet, mit denen der überwiegende
Teil der Standards ohne Manipulationsmöglichkeit für die Lehrer
objektiv überprüfbar wird? (Frage von Jürgen Kluge "Warum
nimmt man nicht die von PISA entwickelten Kompetenzen?")
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Warum sind die Mathestandards eine anonyme Arbeit und die KMK legt nicht
offen, auf welche Experten sie sich stützt?