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Stand 14.10.03; allen vielen Dank, die sich durch Rückmeldungen mit der letzten Fassung auseinandergesetzt haben.

22.8.03
Bildungsstandards im Fach Mathematik

für den Mittleren Schulabschluss

Entwurf

(Stand vom 04.07.2003)

Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland
Ref. II A3
Postfach 22 40
53012 Bonn


Kommentare von Fritz Nestle Prof. a.D.
Einzelkommentare(bitte jeweils blättern)

Satirischer Transferversuch von der Leitidee Zahl auf die Leitidee Ball
 

Die Einzelkommentare sind innerhalb der Kapitel 1 bis 4 jeweils in farbiger, fetter Schrift hervorgehoben (rot: Kritik; grün: Veränderungsvorschläge). 
 


Bildungsstandards im Fach Mathematik für den Mittleren Schulabschluss - Inhaltsverzeichnis

1 Der Beitrag des Faches Mathematik zur Bildung
2 Allgemeine Kompetenzen im Fach Mathematik
3 Standards für inhaltsbezogene Kompetenzen im Fach Mathematik
3.1 Mathematische Leitideen
3.2 Inhaltsbezogene mathematische Kompetenzen geordnet nach Leitideen
4 Aufgabenbeispiele
4.1 Anforderungsbereiche
4.2 Übersicht zu den Aufgabenbeispielen
4.3 Kommentierte Aufgabenbeispiele



4 Aufgabenbeispiele
4.1 Anforderungsbereiche
Zum Lösen mathematischer Aufgaben werden die allgemeinen mathematischen Kompetenzen in unterschiedlicher Ausprägung benötigt. Diesbezüglich lassen sich drei Anforderungsbereiche unterscheiden: Reproduzieren, Verbinden und Verallgemeinern/Reflektieren, die sich erfahrungsgemäß beim mathematischen Arbeiten zeigen.
Die Anforderungsbereiche sind für alle allgemeinen mathematischen Kompetenzen wie folgt charakterisiert:

Anforderungsbereich I: Reproduzieren
Dieser Anforderungsbereich umfasst die Wiedergabe von Begriffen und Sätzen sowie die Beschreibung und Verwendung gelernter und geübter Verfahren in einem abgegrenzten Gebiet und einem wiederholenden Zusammenhang.
Anforderungsbereich II: Verbinden
Dieser Anforderungsbereich umfasst das selbstständige Bearbeiten bekannter Sachverhalte, indem Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten verknüpft werden, die in der Auseinandersetzung mit Mathematik auf verschiedenen Gebieten sowie in anderen Lernbereichen erworben wurden.
Anforderungsbereich III: Verallgemeinern/Reflektieren
Dieser Anforderungsbereich umfasst das planmäßige Bearbeiten komplexer Gegebenheiten mit dem Ziel, selbstständig zu Problemformulierungen, Lösungen, Begründungen, Folgerungen, Interpretationen und Wertungen zu gelangen.

Die drei Anforderungsbereiche bilden ein konzeptuelles Kontinuum. Anspruch und Komplexität nehmen von Anforderungsbereich zu Anforderungsbereich zu. Dies bedeutet aber nicht, dass zum Beispiel Fähigkeiten des Anforderungsbereichs II Voraussetzung für jede Fähigkeit des Anforderungsbereichs III sind.

Die nachfolgende Tabelle zeigt die Einteilung allgemeiner mathematischer Kompetenzen entsprechend der oben beschriebenen Anforderungsbereiche. Sie stellt eine Ausdifferenzierung der im Kapitel 2 erläuterten allgemeinen mathematischen Kompetenzen dar. Mit Hilfe der Tabelle kann der Prozess des Bearbeitens einer mathematischen Aufgabe analysiert werden, so dass eine Zuordnung einer Aufgaben bzw. Teilaufgabe zu einem Anforderungsbereich im Wesentlichen dadurch bestimmt ist, welche mathematischen Kompetenzen in welchen Anforderungsbereichen insbesondere zum Lösen benötigt werden.

Tabelle Teil 1
Tabelle Teil 2
Tabelle Teil 3
Eine eingehende Würdigung der Stärken und Schwächen der in der Tabelle zusammengestellten Handlungen und Denkweisen würde den Rahmen einer zweistündigen, einsemestrigen Vorlesung oder noch besser eines fachdidaktischen Hauptseminars erfordern. Im Augenblick wird deshalb darauf verzichtet, zumal die Hauptkritik an den Mathestandards hier in besonderem Maß zutrifft: Es handelt sich nicht um transparente, anwendbare Standards, sondern um den Versuch, Mathematiklernen sowie mathematisches Denken und Arbeiten unabhängig von Inhalten verbal zu beschreiben. Für Mathematiklehrer sollte die intensive Durcharbeitung dieser Darlegungen verpflichtend gemacht und mit einer Prüfung belegt werden (Lehrerfortbildung). Nichtmathematiker haben nur geringe Chancen, den Text zu einer Analyse des Lernens und Lehrens von Mathematik zu verwenden. Bedauerlich ist, daß eine fixierte Vorstellung davon, was Mathematik ist und wie man sie lernt, dazu nicht passende Lernformen kaum berücksichtigt.

4.2 Übersicht zu den Aufgabenbeispielen

Die folgende Übersicht zeigt eine mögliche Zuordnung von Aufgabenbeispielen zu den allgemeinen mathematischen Kompetenzen und ihren Anforderungsbereiche sowie zu den mathematischen Leitideen.

Die Zuordnung einer Aufgabe bzw. Teilaufgabe zu einer allgemeinen mathematischen Kompetenz bzw. zu einer mathematischen Leitidee ist nicht in jedem Fall eindeutig, sondern davon abhängig, welcher Aspekt mathematischen Arbeitens beim Bearbeiten der Aufgabe hervortritt bzw. betont werden soll.

Die Zuordnung einer Aufgabe bzw. Teilaufgabe zu einem Anforderungsbereich ist dadurch bedingt, dass von Lernvoraussetzungen der Schülerinnen und Schüler ausgegangen wird, die diese bis zum Mittleren Schulabschluss erworben haben sollen.

Tabellarische Darstellung

Den zur Tabelle oben genannten Einschränkungen kann sich der Autor anschließen.

4.3 Kommentierte Aufgabenbeispiele

Aufgabe 1: Warum arbeiten Studenten?
Aufgabenstellung
a) Das nebenstehende Diagramm zeigt Untersuchungsergebnisse zur Frage „Warum arbeiten Studenten?“ Angenommen es wurden 2000 Studenten befragt. Wie viele Studenten haben die Aussage „zwingend notwendig für den Lebensunterhalt“ angegeben?
b) Edeltraud sagt: „ Den Studenten scheint es doch gar nicht so schlecht zu gehen, denn nur ungefähr ein Drittel muss „zwingend notwendig für den Lebensunterhalt“ arbeiten.
Monika entgegnet: „ Das stimmt doch gar nicht!“
Wie kommen Edeltraud und Monika jeweils zu ihren Meinungen?
Geben Sie eine graphische Darstellung der Befragungsergebnisse an, die die Meinungsverschiedenheit vermeidet.
c) Beschreiben Sie Beschreibe?, wie der Autor bei der Erstellung des Diagramms vorgegangen ist.

Beschreibung der Aufgabe und ihrer Zielsetzung
Die Aufgabe ist eine komplexe, realitätsnahe Aufgabe aus dem Bereich der beschreibenden Statistik.
Bei der Bearbeitung der Aufgabe weisen die Schülerinnen und Schüler nach, inwieweit sie insbesondere die allgemeinen mathematischen Kompetenzen
- mathematisch argumentieren (K 2) und
- mathematische Darstellungen verwenden (K 5)
im Rahmen der Leitidee Daten und Zufall (L 6) erworben haben.
Als Bearbeitungszeit sind ca. 15 Minuten vorgesehen.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Lösungsskizze mit Angabe der allgemeinen mathematischen Kompetenzen, ihrer Anforderungsbereiche und der Leitideen

Die Aufgabe ist interessant und anspruchsvoll. Sie verwendet "Mathematik" im Alltag. Problematisch ist es, in einer Beispielaufgabe eine grafische Darstellung zu verwenden, die den in der Schule üblichen Veranschaulichungen wiederspricht. Der Vollkreis wird normalerweise als Veranschaulichung der Zahl 1 (bzw 100 %) verwendet. Dass er hier als Bild der Zahl 1,49 verwendet wird (und 56 % somit als 1 Drittel erscheinen), kann bei schwachen Schülern zu Verwirrung führen (übrigens ist auch der Autor - vielleicht ist er ja schwach? - zunächst darauf hereingefallen!). Es gibt keinen Einwand dagegen, leistungsfähige Schüler mit solchen Aufgaben zur Flexibilisierung des Denkens zusätzlich zu konfrontieren und sie dabei auch für die üblichen Verzerrungen in vielen grafisch dargestellten Zahlenverhältnissen zu sensibilisieren. Im Rahmen der üblicherweise im Prozentrechnen von der Schule vermittelten Fähigkeiten ist die Aufgabe kontraproduktiv.

Die Aufgabe als Typ sowohl mit 100 % für den Vollkreis als auch mit anderen Prozentsätzen läßt sich einfach als Teil einer Aufgabenklasse automatisch generieren, durch die die gleichen Anforderungen variantenreich konkretisiert werden können.

Aufgabe 2: Vom Stern zur Pyramide
Aufgabenstellung

Der nebenstehende symmetrische Stern hat folgende Eigenschaften:
Alle Seiten sowie die Strecken AC und CE haben die gleiche Länge a.
a) Beschreiben Sie die Konstruktion der Figur.
b) Durch Klappen der Dreiecksflächen entsteht eine Pyramide. Bestimmen Sie Bestimme? das Volumen der Pyramide.
b) Die Dreiecksflächen können so geklappt werden, daß eine Pyramide entsteht. Bestimme ... Pyramide als Funktion von a.
Es gibt genau zwei von unendlich vielen Klappmöglichkeiten, bei denen die Pyramide entsteht!
c) Der Stern wird so verändert, dass die Strecken AC und AB nicht mehr gleich lang sind. Die Symmetrie des Sterns bleibt jedoch erhalten. Unter welchen Bedingungen entsteht durch Klappen der können die Dreiecksflächen zu einer Pyramide hochgeklappt werden?
 

Beschreibung der Aufgabe und ihrer Zielsetzung
Inhaltlicher Schwerpunkt ist der Umgang mit geometrischen Figuren und an ihnen gültigen Beziehungen. Bei der Bearbeitung der Aufgabe weisen die Schülerinnen und Schüler nach, inwieweit sie insbesondere die allgemeinen mathematischen Kompetenzen
- mathematisch argumentieren (K 2)
- Probleme mathematisch lösen (K 4)
- mit symbolischen, formalen und technischen Elementen der Mathematik umgehen (K 6)
- und kommunizieren (K 7)
im Rahmen der Leitidee Strukturieren in der Ebene und im Raum (L 3) sowie der Leitidee Messen (L 2) In wie fern wird die Leitidee Messen angesprochen; es wird ja gerade nicht mit Maßen gearbeitet? erworben haben.
Als Bearbeitungszeit sind ca. 30 Minuten vorgesehen, zugelassenes Hilfsmittel ist eine Formelsammlung.
 
 

Lösungsskizze mit Angabe der allgemeinen mathematischen Kompetenzen, ihrer Anforderungsbereiche und der Leitideen


Durch die Aufgabe werden wichtige mathematische Kompetenzen abgedeckt. Das Anspruchsniveau ist hoch. Viele Schüler könnten die Aufgabe bei einer bemaßten Skizze bearbeiten, sind jedoch bei einer unbemaßten Skizze überfordert. Wenigstens die Ausgangslänge sollte definiert werden.
Was heißt in 2b "Erstellen des Stützdreiecks ..."? Zeichnung, Pythagoras, Lösung im Kopf?
Bei den Lösungsvorgaben zu 2c wird die ausgeartete Pyramide ausgeschlossen und damit dynamisches Denken eingeengt.
Die Aufgabe ist singulär, das heißt, es ist mühsam, sie als Repräsentant einer Klasse gleichartiger Aufgaben zu verstehen.


Aufgabe 3: Die Bogenbrücke

Aufgabenstellung
Die Kylltalbrücke bei Bitburg/Eifel ist eine der
größten frei gespannten Massivbogenbrücken
in Deutschland und wurde 1999 dem Verkehr
übergeben. Die Spannweite des Bogens
beträgt 223 m. Der Bogen hat annähernd eine
Parabelform.

Ein Wanderer will die Höhe der Brücke bestimmen. Im Abstand von 1,2 m zum Fußpunkt A der Brücke (durch Fußschrittmessung) ist der Brückenbogen 2,0 m hoch (durch Vergleich mit der Körpergröße).
Er schätzt, daß im Abstand von 1,2 m vom Fußpunkt A der Bogen eine Höhe von 2,0 m hat.

a) Bestimmen Sie damit einen Wert für die Höhe der Brücke.
b) Um wie viel Prozent ändert sich die ermittelte Brückenhöhe, wenn der Wanderer bei der Fußschrittmessung 10 cm weniger gemessen hätte die Horizontalschätzung 10 cm zu nieder gelegen hätte?
 

Beschreibung der Aufgabe und ihrer Zielsetzung
Die Aufgabe zeigt, wie mit Hilfe mathematischer Modellbildung Probleme in der Umwelt bearbeitet und gelöst werden können. Die Schülerinnen und Schüler nutzen funktionale Zusammenhänge und Gleichungen zur Bearbeitung des Problems. Dabei werden unterschiedliche Darstellungsformen der Situation eingesetzt.

Bei der Bearbeitung der Aufgabe weisen die Schülerinnen und Schüler nach, inwieweit sie insbesondere die allgemeinen mathematischen Kompetenzen
- mathematisch modellieren (K 3) und
- mit symbolischen, formalen und technischen Elementen der Mathematik umgehen (K 6)
im Rahmen der Leitidee funktionaler Zusammenhang (L 4) und der Leitidee Zahl (L 1) erworben haben.
Als Bearbeitungszeit sind ca. 30 Minuten vorgesehen, zugelassene Hilfsmittel sind Taschenrechner und Formelsammlung.

Lösungsskizze mit Angabe der allgemeinen mathematischen Kompetenzen, ihrer Anforderungsbereiche und der Leitideen

Die Aufgabe geht von einer in üblicher Weise vorgenommenen Idealiserung einer Umweltsituation aus, durch die bereits ein wesentlicher Teil der Modellbildung vorgegeben wird; sie ist insofern eine einfache Übungsaufgabe. Bei den Lösungshinweisen könnte die Richtung der Veränderung zusätzlich angegeben werden, damit klar wird, daß sich die fraglichen Werte gegenläufig ändern.
Es wäre einfach, eine Klasse äquivalenter Aufgaben zu definieren, in der Zahlenwerte und modellierte Situation als Parameter eingehen.


Aufgabe 4: Lohnt sich die Abkürzung?

Aufgabenstellung
Viele Autofahrer benutzen für die Fahrt von A nach B nicht die stark befahrenen Hauptstraßen, sondern einen „Schleichweg“.
Äußern Sie sich, ob die Abkürzung eine Zeitersparnis bringt, wenn man auf dem „Schleichweg“ durchschnittlich mit 30 km/h und auf den Hauptstraßen durchschnittlich mit 50 km/h fahren kann.

Beschreibung der Aufgabe und ihrer Zielsetzung
Bei der Bearbeitung der Aufgabe weisen die Schülerinnen und Schüler nach, inwieweit sie insbesondere die allgemeine mathematische Kompetenz
- kommunizieren (K 7)
im Rahmen der Leitidee Zahl (L 1) erworben haben.
Zuordnung fragwürdig und sicher unvollständig
Als Bearbeitungszeit sind ca. 10 Minuten vorgesehen, zugelassene Hilfsmittel sind Taschenrechner und Formelsammlung.

Lösungsskizze mit Angabe der allgemeinen mathematischen Kompetenzen, ihrer Anforderungsbereiche und der Leitideen

Klare Aufgabe, die als Erweiterungsmöglichkeit Wartezeiten an der Kreuzung (gegebenenfalls sogar Ampelzyklen)  zuläßt. Bei der Lösung wäre ein Hinweis auf Pythagoras hilfreich.
Dieser Aufgabentyp läßt sich einfach zu verschieden anspruchvollen  Klasse äquivalenter Aufgaben erweitern.

Aufgabe 5: Würfel

Aufgabenstellung
Fünf Seiten eines Würfels von 3 cm Kantenlänge werden rot angestrichen, die sechste Fläche bleibt ohne Anstrich. Danach wird dieser Würfel in genau 27 Teilwürfel von 1 cm Kantenlänge zerlegt.
Wie viele der entstandenen Teilwürfel haben genau eine (zwei; drei, vier) rot angestrichene Fläche(n)?

Beschreibung der Aufgabe und ihrer Zielsetzung
Bei der Bearbeitung der Aufgabe weisen die Schülerinnen und Schüler nach, inwieweit sie insbesondere die allgemeine mathematische Kompetenz
- Probleme mathematisch lösen (K 4)
im Rahmen der Leitidee Strukturieren in der Ebene und im Raum (L 3) erworben haben.
Es gibt konkurrierende Lösungen, bei denen (K 4)  nicht angewendet werden muß.
Als Bearbeitungszeit sind ca. 5 Minuten vorgesehen.

Lösungsskizze mit Angabe der allgemeinen mathematischen Kompetenzen, ihrer Anforderungsbereiche und der Leitideen

Singuläre, jedoch nicht unnütze Aufgabe. Die Variationsmöglichkeiten auf gleichem Niveau sind gering oder sehr mühsam.
5' Zeit für die Lösung erscheint zu knapp (empirisch mit verschiedenartigen Adressaten überprüft?)


Aufgabe 6: Lohnerhöhung

Aufgabenstellung
Das Schaubild zeigt drei verschiedene Modelle (Modell A, Modell B, Modell C) für Lohnerhöhungen.
a) Listen Sie in einer Tabelle (200 €, 400 €, 600 €, ..., 1600 €) die Lohnerhöhungen der verschiedenen Modelle in Abhängigkeit vom Lohn auf.
b) Erstellen Sie ein weiteres Schaubild (Lohn in € ; Lohnerhöhung in %).
c) Beide Schaubilder stellen den gleichen Sachverhalt dar. Eines soll in einer Veröffentlichung erscheinen (z. B. Zeitungsartikel). Welches würden Sie auswählen, wenn Sie Modell A bevorzugen? Begründen Sie Ihre Wahl.

Beschreibung der Aufgabe und ihrer Zielsetzung
Die Aufgabe erfordert einen kritischen Umgang mit Schaubildern. Die unterschiedlichen Begründungen enthalten fachübergreifende Aspekte
- und diese können gesellschaftlich manipulativ wirken (Gerechtigkeitsdiskussion, gesellschaft erwünschter Berufseintritt nach einer längeren Qualifizierungsphyse, ...); wertungsfreie Einkleidungen des mathematischen Sachverhalts (Längenwachstum von Pflanzen, ...) würden dies vermeiden.
Bei ihrer Bearbeitung weisen die Schülerinnen und Schüler nach, inwieweit sie insbesondere die allgemeinen mathematischen Kompetenzen
- mathematische Darstellungen verwenden (K 5 ) und
- kommunizieren (K 7)
im Rahmen der Leitidee funktionaler Zusammenhang (L 4) erworben haben.
Als Bearbeitungszeit sind ca. 15 Minuten vorgesehen, zugelassenes Hilfsmittel ist der Taschenrechner.

Lösungsskizze mit Angabe der allgemeinen mathematischen Kompetenzen, ihrer Anforderungsbereiche und der Leitideen

Eine gesellschaftliche neutrale Einkleidung ist vorzuziehen. Das Bildungsziel, solche Aufgaben lösen zu können, ist wichtig.
Es wäre einfach, Klassen von zu dieser Aufgabe äquivalenten Aufgaben mit der Möglichkeit der automatischen Erzeugung der Elemente zu definieren.

Aufgabe 7: Rechteck im Trapez

Aufgabenstellung
Das untenstehende Trapez ABCD ist in ein Koordinatensystem eingetragen mit A(0;0), B(8;0), C(8;3) und D(0;15).
Dem Trapez wird ein Rechteck so einbeschrieben, dass je zwei seiner Seiten parallel zu den Koordinatenachsen verlaufen.

a) Die Punkte P(4;yP) und Q(2;yQ) sind Eckpunkte von einbeschriebenen Rechtecken und liegen auf der Seite CD.
Bestimmen Sie die Flächeninhalte der zugehörigen Rechtecke.
b) Bestimmen Sie das Rechteck, das den größten Flächeninhalt hat. Beschreiben Sie seine Lage im Trapez.

Beschreibung der Aufgabe und ihrer Zielsetzung
Die Aufgabe beinhaltet eine innermathematische Problemstellung, die Inhalte aus dem Bereich der Funktionen und der Geometrie vernetzt.
Bei der Bearbeitung der Aufgabe weisen die Schülerinnen und Schüler nach, inwieweit sie insbesondere die allgemeinen mathematischen Kompetenzen
- mathematisch denken (K 1)
- Probleme mathematisch lösen (K 4) und
- mit symbolischen, formalen und technischen Elementen der Mathematik umgehen (K 6)
im Rahmen der Leitideen funktionaler Zusammenhang (L 4) und Strukturieren in der Ebene und im Raum (L 3) erworben haben.
Als Bearbeitungszeit sind ca. 25 Minuten vorgesehen.
Zeitbedarf scheint zu hoch angegeben (empirisch überprüft?)

Lösungsskizze mit Angabe der allgemeinen mathematischen Kompetenzen, ihrer Anforderungsbereiche und der Leitideen

Klassische Aufgabe. Variationsmöglichkeite auf gleichem Niveau gering.

Aufgabe 8: Holzbestand
Aufgabenstellung
Der Holzbestand eines Waldstückes betrage 80000 m³. Er wachse jährlich um 2,5 %.
Bedenklich ohne Betrachtung der Wachstumsgrenzen; die Annahme gilt nur für einen bestimmten Zeitraum; vorher und nachher gehorcht das Wachstum anderen Gesetzen. Langfristiges positives exponentielles Wachstum ist in Umwelt und Natur selten. Beispiele für degressives Wachstum über einen langen Zeitraum würde zum Beispiel der unbeeinflusste, radioaktive Zerfall bieten, über kürzere Zeiträume die degressive Abschreibung (Verbindung zu anderen Gebieten). Bei beiden Einkleidungen könnten die Grenzen des Zeitraums leicht problematisiert werden.
a) Die Entwicklung des Holzbestandes im Laufe von 20 Jahren soll in Form einer Tabelle dargestellt werden und die Berechnung mit einem  Tabellenkalkulationsprogramm erfolgen.
Folgender Tabellenkopf ist dafür vorgegeben:
Geben Sie eine Formel für Zelle B3 an, mit der der Holzbestand nach einem Jahr berechnet werden kann.
b) Wie viele Jahre würde es dauern, bis der Holzbestand sich verdoppelt hat?
c) Geben Sie zur Lösung der Aufgabe b) einen weiteren Lösungsweg an und vergleichen Sie beide.

Beschreibung der Aufgabe und ihrer Zielsetzung
Die Schülerinnen und Schüler sollen Prozentwerte berechnen, wozu durch das fortlaufende Ermitteln für 20 Jahre die Verwendung eines Tabellenkalkulationsprogramms zweckmäßig ist. Dazu ist der Lösungsweg in Form einer Formel einzutragen und entsprechend die Tabelle auszufüllen. Im Mittelpunkt steht das geistige Vorwegnehmen des Lösungsweges, um die Rechenarbeit auf den PC zu übertragen.

Bei der Bearbeitung der Aufgabe weisen die Schülerinnen und Schüler nach, inwieweit sie insbesondere die allgemeinen mathematischen Kompetenzen
- mathematisch denken (K 1)
- kommunizieren (K 7) und
- Hilfsmittel nutzen (K 8)
im Rahmen der Leitidee funktionaler Zusammenhang (L 4) und der Leitidee Algorithmen, Kalküle und Heurismen(L 5) erworben haben.
Als Bearbeitungszeit sind ca. 15 Minuten vorgesehen, zugelassenes Hilfsmittel ist der PC.
Die angemessene Bearbeitungszeit hängt stark von den Vorerfahrungen der Schüler ab.

Lösungsskizze mit Angabe der allgemeinen mathematischen Kompetenzen, ihrer Anforderungsbereiche und der Leitideen


Wegen der Gefahr, dass die Probleme exponentiellen Wachstums bei dieser Aufgabe unter den Tisch fallen, ist die Einkleidung bedenklich. Der mathematische Inhalt ist wichtig und vielseitig anwendbar.
Es ist einfach, Klassen äquivalenter Aufgaben zu definieren und die zugehörigen Aufgaben automatisch zu erzeugen.

Aufgabe 9: WürfeldarstellungenEbene Schnitte von Würfeln im Netz

Aufgabenstellung
Ein Würfel wird längs der jeweils vorgegeben Ebene durchgeschnitten. Zeichnen Sie wie im Beispiel die Schnittkanten ein:

Beschreibung der Aufgabe und ihrer Zielsetzung
Die Bearbeitung der Aufgabe erfordert räumliches Vorstellungsvermögen. Der Schüler soll dabei nachweisen, inwieweit er insbesondere die allgemeine mathematische Kompetenz
- mathematische Darstellungen verwenden (K 5)
im Rahmen der Leitidee Strukturieren in der Ebene und im Raum (L 3) erworben hat.
Genauere Zuordnung zu Kompetenzen möglich.
Als Bearbeitungszeit sind ca. 10 Minuten vorgesehen.
Die Offenheit der Aufgabe sollte zugunsten einer eindeutigen Korrektur verringert werden, indem eine der Flächen in Schrägbild un Netz als Grundfläche durch Schraffur ausgezeichnet wird.

Lösungsskizze mit Angabe der allgemeinen mathematischen Kompetenzen, ihrer Anforderungsbereiche und der Leitideen

Ein wichtiger und für die meisten Schüler erreichbarer Kompetenzbereich.
Die Bildung einer Klasse äquivalenter Aufgaben mit automatischer Erzeugung ist möglich.

Aufgaben10: Zeit für Schule

Aufgabenstellung

Beschreibung der Aufgabe und ihrer Zielsetzung
Die Bearbeitung der Aufgabe erfordert das Strukturieren der Situation. Die Schülerinnen und Schüler vertreten ihre Überlegungen argumentativ und setzen sich mit
anderen Vorschlägen kritisch auseinander.
Bei der Bearbeitung der Aufgabe weisen die Schülerinnen und Schüler nach, inwieweit sie insbesondere die allgemeinen mathematischen Kompetenzen
- mathematisch modellieren (K 3) und
- kommunizieren (K 7)
im Rahmen der Leitidee Zahl (L 1) erworben haben.
Als Bearbeitungszeit sind ca. 15 Minuten vorgesehen.

Lösungsskizze mit Angabe der allgemeinen mathematischen Kompetenzen, ihrer Anforderungsbereiche und der Leitideen

Diese Aufgabe ist recht offen formuliert. Die Schüler müssen selbst die Fragen präzisieren, mit denen sie sich auseinandersetzen wollen. In so fern fällt die Aufgabe aus dem Rahmen der übrigen Aufgaben. Mit ihr kommt zum Ausdruck, daß ein wesentliches Ziel des Mathematikunterrichts darin liegen sollte, Mathematik in einer konkreten Umwelt entdecken zu können, und zu erfahren, daß häufig die Grundlage für eine Mathematisierung von Annahmen abhängt, für die eine Entscheidung nur argumentativ erfolgen kann. Solche Aufgaben haben oft keine eindeutige Lösung. Das macht die Bewertung der Bearbeitung schwierig.
Aufgaben gleicher Art als Aufgabenklasse zu definieren ist daher nicht einfach.
 

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