für den Mittleren Schulabschluss
Entwurf
(Stand vom 04.07.2003)
Sekretariat
der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der
Bundesrepublik Deutschland
Ref.
II A3
Postfach
22 40
53012
Bonn
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Satirischer Transferversuch von der Leitidee Zahl auf die Leitidee Ball Die Einzelkommentare
sind innerhalb der Kapitel 1 bis 4 jeweils in farbiger, fetter Schrift
hervorgehoben (rot: Kritik; grün:
Veränderungsvorschläge).
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Bildungsstandards im Fach Mathematik für den Mittleren Schulabschluss - Inhaltsverzeichnis
1 Der Beitrag des Faches Mathematik zur Bildung
2 Allgemeine Kompetenzen im Fach Mathematik
3 Standards für inhaltsbezogene Kompetenzen
im Fach Mathematik
3.1 Mathematische Leitideen
3.2 Inhaltsbezogene mathematische Kompetenzen
geordnet nach Leitideen
4 Aufgabenbeispiele
4.1 Anforderungsbereiche
4.2 Übersicht zu den Aufgabenbeispielen
4.3 Kommentierte Aufgabenbeispiele
3 Standards für inhaltsbezogene Kompetenzen im Fach Mathematik
Die oben beschriebenen allgemeinen mathematischen Kompetenzen werden von Schülerinnen und Schülern in der Auseinandersetzung mit mathematischen Inhalten erworben.
Dementsprechend lassen sich die allgemeinen mathematischen Kompetenzen
als Dispositionen von Schülerinnen
und Schülern vielfältig inhaltsbezogen konkretisieren.
Im Folgenden werden Standards für inhaltsbezogene mathematische
Kompetenzen, die verbindlich für den Mittleren Schulabschluss
sind, benannt. Sie sind jeweils ausgewählten mathematischen Leitideen
zugeordnet, um
Verständnis von grundlegenden mathematischen Konzepten zu erreichen
das Spezifische des Faches, die Besonderheiten mathematischen Denkens
und mathematischer Begriffsbildung zu verdeutlichen
Bedeutung und Funktion der Mathematik für die Gestaltung und
Erkenntnis der Welt erfahren zu lassen.
Die Verbindlichkeit der in 3.2 aufgeführten
"Kompetenzen" ist Etikettenschwindel und Hochstapelei, sofern nicht bereits
"davon gehört haben" als Kompetenz akzeptiert wird. Eine sichere Handlungs-
und Nutzungsfähigkeit in allen diesen Themengebieten zugleich wird
nur von einem kleinen Teil der Schüler zur Zeit des Mittleren Schulabschlusses
erreicht; sie kann nicht einmal bei allen Lehrern vorausgesetzt werden.
Betrachtet man die "Kompetenzen" als Steine
in einem Baukastensystem analog zu den Volkshochschulzertifikaten der Siebziger-
und Achtzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts, und stellt man Instrumente
zur Überprüfung der entsprechenden Qualifikationen bereit, könnte
Mathematiklernen bei einem Teil der Schüler zur Zeit des Mittleren
Schulabschlusses tatsächlich zu so umfassenden Kompetenzen führen.
Bei den übrigen Schülern steht man vor der Wahl, kurzlebige und
fragmentarische Beherrschung aller genannten Gebiete hinzunehmen oder aber
fundierte, einen längeren Zeitraum überdauernde Qualifikationen
in einer Auswahl von Gebieten anzustreben.
Der Darstellung liegen folgende mathematische Leitideen zu Grunde:
Zahl
Messen
Strukturieren in der Ebene und im Raum
funktionaler Zusammenhang
Algorithmen, Kalküle und Heurismen (wenn
schon Fremdwort, dann besser Heurismata; Unterschied Schemen und Schemata!,
sonst Umschreibung als heuristische Strategien)
Daten und Zufall.
Die Entscheidung für diese Leitideen ist durch folgende Bedingungen
bestimmt:
Eine Leitidee soll Inhalte verschiedener mathematischer Sachgebiete
in sich vereinigen.
Innerhalb einer Leitidee soll mathematisches Arbeiten auf unterschiedlichen
kognitiven Niveaus möglich sein.
Eine Leitidee soll ein mathematisches Curriculum „spiralförmig
durchziehen“.
Die Zuordnung einer inhaltsbezogenen mathematischen Kompetenz zu einer
mathematischen Leitidee ist nicht in jedem Fall eindeutig, sondern davon
abhängig, welcher Aspekt mathematischen Arbeitens im inhaltlichen
Zusammenhang betont werden soll. Die Übersicht im Kapitel 4.2 zeigt
eine Möglichkeit der Zuordnung der Aufgabenbeispiele zu den mathematischen
Leitideen.
3.2 Inhaltsbezogene mathematische
Kompetenzen geordnet nach Leitideen
Leitidee Zahl
Die Schülerinnen und Schüler
entwickeln sinntragende Vorstellungen von natürlichen, ganzen,
gebrochenen und rationalen Zahlen und nutzen diese entsprechend der
Verwendungsnotwendigkeit
Begriffsverwendung: natürliche Zahlen
sind Teil der ganzen, gebrochenen und rationalen Zahlen; ganze und gebrochene
Zahlen sind Teil der rationalen Zahlen; besser
"der rationalen Zahlen, speziell von natürlichen, ganzen und gebrochenen
Zahlen"; warum soll die Menge der gebrochenen Zahlen besonders hervorgehoben
werden?)
stellen Zahlen der Situation angemessen dar und wenden insbesondere
die Darstellung in Zehnerpotenzschreibweise für sehr kleine und für
sehr große Zahlen an
In mehr als 20 Jahren Arbeit im Lehramtsstudiengang
an der PH Ludwigsburg wurde diese Kompetenz bei den Lehramtsstudenten des
Fachs Mathematik bei weniger als 10 % der Studierenden vorgefunden
begründen die Notwendigkeit von Zahlbereichserweiterungen an
Beispielen
vergleichen und ordnen Zahlen
führen Rechenoperationen mit Zahlen in verschiedenen Darstellungen
aus und nutzen Überschlagsrechnungen und andere Kontrollverfahren
Was ist mit "verschiedenen Darstellungen"
gemeint: Dezimalschreibweise, nichtdezimale Stellenwertsysteme, ...?
nutzen Rechengesetze, auch zum vorteilhaften Rechnen, insbesondere
auch Strategien für das Rechnen im Kopf
runden Rechenergebnisse entsprechend dem Sachverhalt sinnvoll, auch
bei Verwendung unterschiedlicher Rechenhilfsmittel
Auch hier muß mit Defiziten bei den
Lehrern selbst gerechnet werden
verwenden Prozent- und Zinsrechnung sachgerecht
Eine Kompetenz, die weder bei Abiturienten
noch bei allen Lehrern vorausgesetzt werden kann
erläutern an Beispielen den Zusammenhang zwischen Potenz, Wurzel
und Logarithmus
führen in konkreten Situationen kombinatorische Überlegungen
durch, um die Anzahl der jeweiligen Möglichkeiten zu bestimmen
prüfen und interpretieren Ergebnisse in der betreffenden
Sachsituation (bezieht sich "betreffenden" auf
die kombinatorischen Überlegungen?) unter Einbeziehung
einer kritischen Einschätzung des gewählten Modells und seiner
Bearbeitung.
Leitidee Messen
Die Schülerinnen und Schüler
nutzen das Grundprinzip des Messens, insbesondere bei der Längen-,
Flächen- und Volumenmessung, auch in Naturwissenschaften und in anderen
Bereichen
wählen Größeneinheiten alternativ:
passende Einheiten für Größen (insbesondere
von für Zeit, Masse, Geld,
Länge, Fläche, Volumen und Winkel) hinsichtlich der jeweiligen
Situation angemessen aus
Sprachgebrauch Größe als Kombination
von Zahlenwert und Einheit (nicht Größeneinheit)
schätzen Größen mit Hilfe von Vorstellungen über
geeignete Repräsentanten
geben Messergebnisse und berechnete Größen in sinnvoller
Genauigkeit an
berechnen Flächeninhalt und Umfang von Rechteck, Dreieck und
Kreis sowie von aus ihnen zusammengesetzten Figuren
berechnen Volumen und Oberflächeninhalt (knapperer
Sprachgebrauch: Oberfläche) von Quader, Prisma, Pyramide,
Zylinder, Kegel und Kugel sowie von aus ihnen (
besser daraus) zusammengesetzten Körpern
berechnen Streckenlängen
und Winkelgrößen, auch unter
Nutzung von trigonometrischen Beziehungen und Ähnlichkeitsbeziehungen
nehmen in ihrer Umwelt gezielt Messungen vor oder entnehmen aus
Materialien Maßangaben, führen damit Berechnungen
durch und bewerten die Ergebnisse sowie den gewählten Weg in Bezug
auf die Sachsituation.
Leitidee Strukturieren in der Ebene und im Raum
Die Schülerinnen und Schüler
erkennen und beschreiben geometrische Strukturen in der Umwelt
operieren gedanklich mit Strecken, Flächen und Körpern
stellen Körper (z.B. als Netz, Schrägbild oder Modell)
dar und erkennen Körper aus ihren entsprechenden Darstellungen
analysieren und klassifizieren geometrische Objekte der Ebene und
des Raumes
beschreiben und begründen Eigenschaften und Beziehungen geometrischer
Objekte (wie Symmetrie, Kongruenz, Ähnlichkeit, Lagebeziehungen) und
nutzen diese im Rahmen des Problemlösens zur Analyse von Sachzusammenhängen
wenden Sätze der ebenen Geometrie bei Konstruktionen, Berechnungen
und Beweisen an, insbesondere den Satz des Pythagoras und den Satz des
Thales
zeichnen und konstruieren geometrische Figuren unter Verwendung angemessener
Hilfsmittel wie Zirkel, Lineal, Geodreieck oder dynamischer Geometriesoftware
stellen geometrische Figuren im kartesischen Koordinatensystem dar
und nutzen diese Darstellungen zur Analyse geometrischer Situationen und
beim Problemlösen
beschreiben und begründen Ergebnisse von (geometrischen)
Bewegungen und zentrischen Streckungen
setzen geeignete Hilfsmittel beim explorativen Arbeiten und Problemlösen
ein.
Leitidee funktionaler Zusammenhang
Die Schülerinnen und Schüler
nutzen Funktionen als Mittel zur Beschreibung quantitativer Zusammenhänge
erkennen und beschreiben funktionale Zusammenhänge und stellen
diese in sprachlicher, tabellarischer oder graphischer Form sowie gegebenenfalls
als Term dar
analysieren, interpretieren und vergleichen unterschiedliche Darstellungen
funktionaler Zusammenhänge (wie lineare, im
Besonderen proportionale,und
antiproportionale
und
quadratische (Siehe Aufgabenbeispiel 3)
lösen realitätsnahe Probleme im Zusammenhang mit linearen,
proportionalen und antiproportionalen Zuordnungen
interpretieren (zweidimenensionale)
lineare Gleichungssysteme graphisch
bestimmen kennzeichnende Merkmale von Funktionen und stellen Beziehungen
zwischen Funktionsterm und Graph her
wenden insbesondere lineare und quadratische Funktionen sowie Exponentialfunktionen
bei der Beschreibung und Bearbeitung von Problemen an
Überschneidung mit den Punkten 3 und
4
verwenden die Sinusfunktion zur Beschreibung von periodischen Vorgängen
beschreiben Veränderungen von Größen mittels Funktionen,
auch unter Verwendung eines Tabellenkalkulationsprogramms
geben zu vorgegebenen Funktionen Sachsituationen an, die mit Hilfe
dieser Funktion beschrieben werden können.
Leitidee Algorithmen, Kalküle und Heurismen
heuristische
Strategien
Die Schülerinnen und Schüler
wählen Algorithmen bzw. Kalküle als Verfahren zum Lösen
mathematischer Standardaufgaben begründet aus und wenden diese auch
unter Nutzung von geeigneten Hilfsmitteln an
beschreiben Vorgehensweisen und Verfahren für das Lösen
von Aufgaben, denen Algorithmen, Kalküle oder Heurismen
zu Grunde liegen
lösen Gleichungen, Ungleichungen und lineare Gleichungssysteme
kalkülmäßig bzw. algorithmisch und vergleichen ggf. ihr
Vorgehen hinsichtlich der Effektivität mit anderen Lösungsverfahren
(wie mit inhaltlichem Lösen oder Lösen durch systematisches Probieren)
führen Konstruktionskalküle (Grundkonstruktionen) zum Lösen
von geometrischen Standardaufgaben aus, entwickeln selbst Konstruktionskalküle
für problemhafte Konstruktionsaufgaben
untersuchen Fragen der Lösbarkeit und Lösungsvielfalt von
linearen und quadratischen Gleichungen, linearen Gleichungssystemen sowie
Konstruktionsaufgaben und formulieren diesbezüglich Aussagen
bewerten Vorgehensweisen und Verfahren, denen Algorithmen, Kalküle
oder Heurismen zu Grunde liegen.
Leitidee Daten und Zufall
Die Schülerinnen und Schüler
werten graphische Darstellungen und Tabellen von statistischen Erhebungen
aus
planen statistische Erhebungen entsprechend der zu untersuchenden
Fragestellung
sammeln systematisch Daten, erfassen sie in Tabellen und stellen
sie graphisch dar, auch unter Verwendung geeigneter Hilfsmittel (wie Software)
interpretieren Daten unter Verwendung von Kenngrößen Was
für?
reflektieren und bewerten Argumente, die auf einer Datenanalyse basieren
beschreiben Zufallserscheinungen in alltäglichen Situationen
bestimmen Wahrscheinlichkeiten bei Zufallsexperimenten.
3.3
Satirischer Transferversuch von der Leitidee Zahl zu der Leitidee Ball
Zu 3.2 Inhaltsbezogene
mathematische Kompetenzen geordnet nach Leitideen
| Die Formulierungen der KMK | - und die Karikatur |
| Leitidee
Zahl
Die Schülerinnen und Schüler |
Leitidee Ball
Die Mädchen und Jungen |
| entwickeln sinntragende Vorstellungen von natürlichen, ganzen, gebrochenen und rationalen Zahlen und nutzen diese entsprechend der Verwendungsnotwendigkeit | entwickeln sinntragende Vorstellungen von Plastik-, Gummi-, luftgefüllten und Lederbällen und nutzen diese entsprechend der Verwendungsnotwendigkeit |
| stellen Zahlen der Situation angemessen dar und wenden insbesondere die Darstellung in Zehnerpotenzschreibweise für sehr kleine und für sehr große Zahlen an | stellen Bälle der Situation angemessen dar und wenden insbesondere die Darstellung durch Fotographie für sehr große und sehr kleine Bälle an. |
| begründen die Notwendigkeit von Zahlbereichserweiterungen an Beispielen | begründen die Notwendigkeit der Nutzung verschiedener Balltypen an Beispielen |
| vergleichen und ordnen Zahlen | vergleichen und ordnen Bälle |
| führen Rechenoperationen mit Zahlen in verschiedenen Darstellungen aus und nutzen Überschlagsrechnungen und andere Kontrollverfahren | führen Bewegungen mit Bällen in verschiedenen Situationen aus und nutzen Hände und andere Körperteile |
| nutzen Rechengesetze, auch zum vorteilhaften Rechnen | nutzen die Gesetze der Ballbewegung, auch um den Ball mit geringem Kraftaufwand in Bewegung zu setzen |
| runden Rechenergebnisse entsprechend dem Sachverhalt sinnvoll, auch bei Verwendung unterschiedlicher Rechenhilfsmittel | (Da
fiel mir keine Übertragung ein! Neuer Vorschlag eines Lesers am 6.3.05:)
blasen Bälle entsprechend den Anforderungen sinnvoll auf, auch bei Verwendung unterschiedlicher Aufblashilfsmittel |
| verwenden Prozent- und Zinsrechnung sachgerecht | verwenden Kopf- und Fußball sachgerecht |
| erläutern an Beispielen den Zusammenhang zwischen Potenz, Wurzel und Logarithmus | Erläutern an Beispielen den Zusammenhang zwischen dem Luftdruck in der Ballblase, dem Drall und der Impulsübertragung |
| führen in konkreten Situationen kombinatorische Überlegungen durch, um die Anzahl der jeweiligen Möglichkeiten zu bestimmen | führen in konkreten Situationen kombinatorische Überlegungen durch, um die Anzahl der jeweiligen Möglichkeiten zu bestimmen |
| prüfen und interpretieren Ergebnisse in der betreffenden Sachsituation unter Einbeziehung einer kritischen Einschätzung des gewählten Modells und seiner Bearbeitung. | prüfen und interpretieren Treffer in einer betreffenden Spielsituation unter Einbeziehung einer kritischen Einschätzung der Mannschaft und ihrer Strategie |
Beispiele hinken stets; es dürfte trotzdem deutlich werden, wie weit die Beschreibungen der inhaltsbezogenen Kompetenzen von konkreten Standards entfernt sind und wie wenig sie das Lernen selbst stützen.
Wie man vorgehen
könnte, wird unter www.bildungsoptionen.de/standard.htm
im Detail beschrieben und durch Beispiele aus den Fächern Mathematik
(Beispiel 1: (Teil-)
Standard zur online-Bearbeitung, Beispiel
2; Beispiel 3), Deutsch
und Englisch beschrieben