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Stand 14.10.03; allen vielen Dank, die sich durch Rückmeldungen mit der letzten Fassung auseinandergesetzt haben.

22.8.03/6.3.95
Bildungsstandards im Fach Mathematik

für den Mittleren Schulabschluss

Entwurf

(Stand vom 04.07.2003)

Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland
Ref. II A3
Postfach 22 40
53012 Bonn


Kommentare von Fritz Nestle Prof. a.D.
Einzelkommentare (bitte jeweils blättern)

Satirischer Transferversuch von der Leitidee Zahl auf die Leitidee Ball

Die Einzelkommentare sind innerhalb der Kapitel 1 bis 4 jeweils in farbiger, fetter Schrift hervorgehoben (rot: Kritik; grün: Veränderungsvorschläge). 
 


Bildungsstandards im Fach Mathematik für den Mittleren Schulabschluss - Inhaltsverzeichnis

1 Der Beitrag des Faches Mathematik zur Bildung
2 Allgemeine Kompetenzen im Fach Mathematik
3 Standards für inhaltsbezogene Kompetenzen im Fach Mathematik
3.1 Mathematische Leitideen
3.2 Inhaltsbezogene mathematische Kompetenzen geordnet nach Leitideen
4 Aufgabenbeispiele
4.1 Anforderungsbereiche
4.2 Übersicht zu den Aufgabenbeispielen
4.3 Kommentierte Aufgabenbeispiele

3 Standards für inhaltsbezogene Kompetenzen im Fach Mathematik


3.1 Mathematische Leitideen

Die oben beschriebenen allgemeinen mathematischen Kompetenzen werden von Schülerinnen und Schülern in der Auseinandersetzung mit mathematischen Inhalten erworben.

Dementsprechend lassen sich die allgemeinen mathematischen Kompetenzen als Dispositionen von Schülerinnen und Schülern vielfältig inhaltsbezogen konkretisieren.

Im Folgenden werden Standards für inhaltsbezogene mathematische Kompetenzen, die verbindlich für den Mittleren Schulabschluss sind, benannt. Sie sind jeweils ausgewählten mathematischen Leitideen zugeordnet, um
 Verständnis von grundlegenden mathematischen Konzepten zu erreichen
 das Spezifische des Faches, die Besonderheiten mathematischen Denkens und mathematischer Begriffsbildung zu verdeutlichen
 Bedeutung und Funktion der Mathematik für die Gestaltung und Erkenntnis der Welt erfahren zu lassen.

Die Verbindlichkeit der in 3.2 aufgeführten "Kompetenzen" ist Etikettenschwindel und Hochstapelei, sofern nicht bereits "davon gehört haben" als Kompetenz akzeptiert wird. Eine sichere Handlungs- und Nutzungsfähigkeit in allen diesen Themengebieten zugleich wird nur von einem kleinen Teil der Schüler zur Zeit des Mittleren Schulabschlusses erreicht; sie kann nicht einmal bei allen Lehrern vorausgesetzt werden.
Betrachtet man die "Kompetenzen" als Steine in einem Baukastensystem analog zu den Volkshochschulzertifikaten der Siebziger- und Achtzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts, und stellt man Instrumente zur Überprüfung der entsprechenden Qualifikationen bereit, könnte Mathematiklernen bei einem Teil der Schüler zur Zeit des Mittleren Schulabschlusses tatsächlich zu so umfassenden Kompetenzen führen. Bei den übrigen Schülern steht man vor der Wahl, kurzlebige und fragmentarische Beherrschung aller genannten Gebiete hinzunehmen oder aber fundierte, einen längeren Zeitraum überdauernde Qualifikationen in einer Auswahl von Gebieten anzustreben.

Der Darstellung liegen folgende mathematische Leitideen zu Grunde:
 Zahl
 Messen
 Strukturieren in der Ebene und im Raum
 funktionaler Zusammenhang
 Algorithmen, Kalküle und Heurismen (wenn schon Fremdwort, dann besser Heurismata; Unterschied Schemen und Schemata!, sonst Umschreibung als heuristische Strategien)
 Daten und Zufall.

Die Entscheidung für diese Leitideen ist durch folgende Bedingungen bestimmt:
 Eine Leitidee soll Inhalte verschiedener mathematischer Sachgebiete in sich vereinigen.
 Innerhalb einer Leitidee soll mathematisches Arbeiten auf unterschiedlichen kognitiven Niveaus möglich sein.
 Eine Leitidee soll ein mathematisches Curriculum „spiralförmig durchziehen“.

Die Zuordnung einer inhaltsbezogenen mathematischen Kompetenz zu einer mathematischen Leitidee ist nicht in jedem Fall eindeutig, sondern davon abhängig, welcher Aspekt mathematischen Arbeitens im inhaltlichen Zusammenhang betont werden soll. Die Übersicht im Kapitel 4.2 zeigt eine Möglichkeit der Zuordnung der Aufgabenbeispiele zu den mathematischen Leitideen.

3.2 Inhaltsbezogene mathematische Kompetenzen geordnet nach Leitideen

Leitidee Zahl
Die Schülerinnen und Schüler
 entwickeln sinntragende Vorstellungen von natürlichen, ganzen, gebrochenen und rationalen Zahlen und nutzen diese entsprechend der Verwendungsnotwendigkeit
Begriffsverwendung: natürliche Zahlen sind Teil der ganzen, gebrochenen und rationalen Zahlen; ganze und gebrochene Zahlen sind Teil der rationalen Zahlen; besser "der rationalen Zahlen, speziell von natürlichen, ganzen und gebrochenen Zahlen"; warum soll die Menge der gebrochenen Zahlen besonders hervorgehoben werden?)
 stellen Zahlen der Situation angemessen dar und wenden insbesondere die Darstellung in Zehnerpotenzschreibweise für sehr kleine und für sehr große Zahlen an
In mehr als 20 Jahren Arbeit im Lehramtsstudiengang an der PH Ludwigsburg wurde diese Kompetenz bei den Lehramtsstudenten des Fachs Mathematik bei weniger als 10 % der Studierenden vorgefunden
 begründen die Notwendigkeit von Zahlbereichserweiterungen an Beispielen
 vergleichen und ordnen Zahlen
 führen Rechenoperationen mit Zahlen in verschiedenen Darstellungen aus und nutzen Überschlagsrechnungen und andere Kontrollverfahren
Was ist mit "verschiedenen Darstellungen" gemeint: Dezimalschreibweise, nichtdezimale Stellenwertsysteme, ...?
 nutzen Rechengesetze, auch zum vorteilhaften Rechnen, insbesondere auch Strategien für das Rechnen im Kopf
 runden Rechenergebnisse entsprechend dem Sachverhalt sinnvoll, auch bei Verwendung unterschiedlicher Rechenhilfsmittel
Auch hier muß mit Defiziten bei den Lehrern selbst gerechnet werden
 verwenden Prozent- und Zinsrechnung sachgerecht
Eine Kompetenz, die weder bei Abiturienten noch bei allen Lehrern vorausgesetzt werden kann
 erläutern an Beispielen den Zusammenhang zwischen Potenz, Wurzel und Logarithmus
 führen in konkreten Situationen kombinatorische Überlegungen durch, um die Anzahl der jeweiligen Möglichkeiten zu bestimmen
 prüfen und interpretieren Ergebnisse in der betreffenden  Sachsituation (bezieht sich "betreffenden" auf die kombinatorischen Überlegungen?) unter Einbeziehung einer kritischen Einschätzung des gewählten Modells und seiner Bearbeitung.

Leitidee Messen
Die Schülerinnen und Schüler
 nutzen das Grundprinzip des Messens, insbesondere bei der Längen-, Flächen- und Volumenmessung, auch in Naturwissenschaften und in anderen Bereichen
 wählen Größeneinheiten alternativ: passende Einheiten für Größen (insbesondere von für  Zeit, Masse, Geld, Länge, Fläche, Volumen und Winkel) hinsichtlich der jeweiligen Situation angemessen aus
Sprachgebrauch Größe als Kombination von Zahlenwert und Einheit (nicht Größeneinheit)
 schätzen Größen mit Hilfe von Vorstellungen über geeignete Repräsentanten
 geben Messergebnisse und berechnete Größen in sinnvoller Genauigkeit an
 berechnen Flächeninhalt und Umfang von Rechteck, Dreieck und Kreis sowie von aus ihnen zusammengesetzten Figuren
 berechnen Volumen und Oberflächeninhalt (knapperer Sprachgebrauch: Oberfläche) von Quader, Prisma, Pyramide, Zylinder, Kegel und Kugel sowie von aus ihnen ( besser daraus) zusammengesetzten Körpern
 berechnen Streckenlängen und Winkelgrößen, auch unter Nutzung von trigonometrischen Beziehungen und Ähnlichkeitsbeziehungen
 nehmen in ihrer Umwelt gezielt Messungen vor oder entnehmen aus Materialien Maßangaben, führen damit Berechnungen durch und bewerten die Ergebnisse sowie den gewählten Weg in Bezug auf die Sachsituation.

Leitidee Strukturieren in der Ebene und im Raum
Die Schülerinnen und Schüler
 erkennen und beschreiben geometrische Strukturen in der Umwelt
 operieren gedanklich mit Strecken, Flächen und Körpern
 stellen Körper (z.B. als Netz, Schrägbild oder Modell) dar und erkennen Körper aus ihren entsprechenden Darstellungen
 analysieren und klassifizieren geometrische Objekte der Ebene und des Raumes
 beschreiben und begründen Eigenschaften und Beziehungen geometrischer Objekte (wie Symmetrie, Kongruenz, Ähnlichkeit, Lagebeziehungen) und nutzen diese im Rahmen des Problemlösens zur Analyse von Sachzusammenhängen
 wenden Sätze der ebenen Geometrie bei Konstruktionen, Berechnungen und Beweisen an, insbesondere den Satz des Pythagoras und den Satz des Thales
 zeichnen und konstruieren geometrische Figuren unter Verwendung angemessener Hilfsmittel wie Zirkel, Lineal, Geodreieck oder dynamischer Geometriesoftware
 stellen geometrische Figuren im kartesischen Koordinatensystem dar und nutzen diese Darstellungen zur Analyse geometrischer Situationen und beim Problemlösen
 beschreiben und begründen Ergebnisse von (geometrischen) Bewegungen und zentrischen Streckungen
 setzen geeignete Hilfsmittel beim explorativen Arbeiten und Problemlösen ein.

Leitidee funktionaler Zusammenhang
Die Schülerinnen und Schüler
 nutzen Funktionen als Mittel zur Beschreibung quantitativer Zusammenhänge
 erkennen und beschreiben funktionale Zusammenhänge und stellen diese in sprachlicher, tabellarischer oder graphischer Form sowie gegebenenfalls als Term dar
 analysieren, interpretieren und vergleichen unterschiedliche Darstellungen funktionaler Zusammenhänge (wie lineare, im Besonderen proportionale,und antiproportionale und quadratische (Siehe Aufgabenbeispiel 3)
 lösen realitätsnahe Probleme im Zusammenhang mit linearen, proportionalen und antiproportionalen Zuordnungen
 interpretieren (zweidimenensionale) lineare Gleichungssysteme graphisch
 bestimmen kennzeichnende Merkmale von Funktionen und stellen Beziehungen zwischen Funktionsterm und Graph her
 wenden insbesondere lineare und quadratische Funktionen sowie Exponentialfunktionen bei der Beschreibung und Bearbeitung von Problemen an
Überschneidung mit den Punkten 3 und 4
 verwenden die Sinusfunktion zur Beschreibung von periodischen Vorgängen
 beschreiben Veränderungen von Größen mittels Funktionen, auch unter Verwendung eines Tabellenkalkulationsprogramms
 geben zu vorgegebenen Funktionen Sachsituationen an, die mit Hilfe dieser Funktion beschrieben werden können.

Leitidee Algorithmen, Kalküle und Heurismen heuristische Strategien
Die Schülerinnen und Schüler
 wählen Algorithmen bzw. Kalküle als Verfahren zum Lösen mathematischer Standardaufgaben begründet aus und wenden diese auch unter Nutzung von geeigneten Hilfsmitteln an
 beschreiben Vorgehensweisen und Verfahren für das Lösen von Aufgaben, denen Algorithmen, Kalküle oder Heurismen zu Grunde liegen
 lösen Gleichungen, Ungleichungen und lineare Gleichungssysteme kalkülmäßig bzw. algorithmisch und vergleichen ggf. ihr Vorgehen hinsichtlich der Effektivität mit anderen Lösungsverfahren (wie mit inhaltlichem Lösen oder Lösen durch systematisches Probieren)
 führen Konstruktionskalküle (Grundkonstruktionen) zum Lösen von geometrischen Standardaufgaben aus, entwickeln selbst Konstruktionskalküle für problemhafte Konstruktionsaufgaben
 untersuchen Fragen der Lösbarkeit und Lösungsvielfalt von linearen und quadratischen Gleichungen, linearen Gleichungssystemen sowie Konstruktionsaufgaben und formulieren diesbezüglich Aussagen
 bewerten Vorgehensweisen und Verfahren, denen Algorithmen, Kalküle oder Heurismen zu Grunde liegen.

Leitidee Daten und Zufall
Die Schülerinnen und Schüler
 werten graphische Darstellungen und Tabellen von statistischen Erhebungen aus
 planen statistische Erhebungen entsprechend der zu untersuchenden Fragestellung
 sammeln systematisch Daten, erfassen sie in Tabellen und stellen sie graphisch dar, auch unter Verwendung geeigneter Hilfsmittel (wie Software)
 interpretieren Daten unter Verwendung von Kenngrößen Was für?
 reflektieren und bewerten Argumente, die auf einer Datenanalyse basieren
 beschreiben Zufallserscheinungen in alltäglichen Situationen
 bestimmen Wahrscheinlichkeiten bei Zufallsexperimenten.

3.3 Satirischer Transferversuch von der Leitidee Zahl zu der Leitidee Ball

Zu 3.2 Inhaltsbezogene mathematische Kompetenzen geordnet nach Leitideen
 

Die Formulierungen der KMK - und die Karikatur
Leitidee Zahl

Die Schülerinnen und Schüler

Leitidee Ball

Die Mädchen und Jungen

entwickeln sinntragende Vorstellungen von natürlichen, ganzen, gebrochenen und rationalen Zahlen und nutzen diese entsprechend der Verwendungsnotwendigkeit entwickeln sinntragende Vorstellungen von Plastik-, Gummi-, luftgefüllten und Lederbällen und nutzen diese entsprechend der Verwendungsnotwendigkeit
stellen Zahlen der Situation angemessen dar und wenden insbesondere die Darstellung in Zehnerpotenzschreibweise für sehr kleine und für sehr große Zahlen an stellen Bälle der Situation angemessen dar und wenden insbesondere die Darstellung durch Fotographie für sehr große und sehr kleine Bälle an.
begründen die Notwendigkeit von Zahlbereichserweiterungen an Beispielen begründen die Notwendigkeit der Nutzung verschiedener Balltypen an Beispielen
vergleichen und ordnen Zahlen vergleichen und ordnen Bälle
führen Rechenoperationen mit Zahlen in verschiedenen Darstellungen aus und nutzen Überschlagsrechnungen und andere Kontrollverfahren führen Bewegungen mit Bällen in verschiedenen Situationen aus und nutzen Hände und andere Körperteile
nutzen Rechengesetze, auch zum vorteilhaften Rechnen nutzen die Gesetze der Ballbewegung, auch um den Ball mit geringem Kraftaufwand in Bewegung zu setzen
runden Rechenergebnisse entsprechend dem Sachverhalt sinnvoll, auch bei Verwendung unterschiedlicher Rechenhilfsmittel (Da fiel mir keine Übertragung ein! Neuer Vorschlag eines Lesers am 6.3.05:)
blasen Bälle entsprechend den Anforderungen sinnvoll auf, auch bei Verwendung unterschiedlicher Aufblashilfsmittel
verwenden Prozent- und Zinsrechnung sachgerecht verwenden Kopf- und Fußball sachgerecht
erläutern an Beispielen den Zusammenhang zwischen Potenz, Wurzel und Logarithmus Erläutern an Beispielen den Zusammenhang zwischen dem Luftdruck in der Ballblase, dem Drall und der Impulsübertragung
führen in konkreten Situationen kombinatorische Überlegungen durch, um die Anzahl der jeweiligen Möglichkeiten zu bestimmen führen in konkreten Situationen kombinatorische Überlegungen durch, um die Anzahl der jeweiligen Möglichkeiten zu bestimmen
prüfen und interpretieren Ergebnisse in der betreffenden  Sachsituation unter Einbeziehung einer kritischen Einschätzung des gewählten Modells und seiner Bearbeitung. prüfen und interpretieren Treffer in einer betreffenden  Spielsituation unter Einbeziehung einer kritischen Einschätzung der Mannschaft und ihrer Strategie

Beispiele hinken stets; es dürfte trotzdem deutlich werden, wie weit die Beschreibungen der inhaltsbezogenen Kompetenzen von konkreten Standards entfernt sind und wie wenig sie das Lernen selbst stützen.

Wie man vorgehen könnte, wird unter www.bildungsoptionen.de/standard.htm im Detail beschrieben und durch Beispiele aus den Fächern Mathematik (Beispiel 1: (Teil-) Standard zur online-Bearbeitung, Beispiel 2; Beispiel 3), Deutsch und Englisch beschrieben
 

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