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oder Lernen im 21. Jahrhundert |
| Hinführung
Die Forderung des DIHK zur Lehrerbildung Lernorganisation im 21. Jahrhundert Denkanstöße zur Reform des Lernens Siehe auch den eigenständigen Beitrag Lernen im 21. Jahrhundert |
| Hinführung
Die schon fast vergessene TIMS-Studie und PISA haben viel Aktionismus erzeugt. Die KMK hat erst sogenannte Bildungs-"Standards" erarbeiten lassen, mit denen in der Praxis weder Schüler noch Eltern oder Lehrer viel anfangen können. Der zweite Schritt, die Einrichtung eines "Instituts zur Qualitätssicherung im Bildungswesen" (IQB), ist von obrigkeitsstaatlichem Denken geprägt. Die Idee, die Intelligenz der Lernenden selbst unter Nutzung heutiger Informationsverarbeitungsmöglichkeiten zur Grundlage einer effektiven Lernorganisation zu machen, ist offenbar so progressiv, dass die "Nachdenker" die Gedanken der "Vordenker" bisher noch nicht nachvollziehen können. (Früher waren die Schicksale von Epimetheus und Prometheus bekannter als heute.) So wird weiter an der Schule der Vergangenheit herumgeschustert. Als Beispiel dafür soll das "neue" Konzept der Lehrerbildung dienen, mit dem die DIHK-Dachorganisation aktuell an die Öffentlichkeit getreten ist.
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| Die Forderung
des DIHK zur Lehrerbildung
Am 5.4.05 hat der DIHK unter dem Titel "Lehrer sein heißt, Kindern Flügel verleihen" ein Papier zur Reform der Lehrerbildung vorgelegt. Kernpunkte sind eine Aufgabendiffenzierung für Lehrer (Beratungs- und Förderlehrer, Koordinatoren, Schulmanager, Schulsozialarbeiter auf der einen Seite, Stufenlehrer auf der anderen Seite; siehe 4.1 bis 4.7) sowie ein duales Studium mit Analogien zur dualen Ausbildung bei den Lehrberufen. Wichtig ist die Forderung, dass sich die Funktionen der Lehrkräfte grundlegend ändern müssen. Trotzdem ist Kritik angebracht, wenn auch eine andere als die, über die im FAZ-Kommentar berichtet wird. Die Ausarbeitung bleibt blauäugig, und sie baut auf unerfüllbaren Forderungen auf. Den Kindern bei der Nutzung ihrer eigenen Flügel zu helfen ist wichtiger, als Flügelsurrogate auszuleihen. Blauäugig ist
die These, dass Bildung und Leistungsfähigkeit der Schulabgänger
maßgeblich davon abhängen, wie "gut" die Lehrer sind. Die Entwicklung
alternativer Lernformen unter Nutzung heutiger Möglichkeiten der Informationsverarbeitung
wird nicht gesehen. Das Lernen der Zukunft braucht eine Entwicklung entsprechend
den Veränderungen, die wir beispielsweise bei der Schuhherstellung
in den vergangenen zweihundert Jahren beobachten konnten: Es gab
einen Wechsel von der handwerklichen Einzelarbeit zur arbeitsteiligen industriellen
Schuhproduktion. Die Visionen der Autoren reichen nicht so weit, dass sie den Schritt vom Schuhmachermeister zu den spezialisierten Arbeitern in der Schuhproduktion für den Bereich des Lernens antizipieren würden. Vielmehr bleiben sie bei der klassischen Funktion von Unterricht als Informationsvermittlung und -aufnahme auch als zukünftiger Aufgabe der Lehrkräfte. In dieser Funktion und bei der Kontrolle der Lernergebnisse können jedoch die Lehrkräfte leicht durch die heutigen Möglichkeiten der Informationsverarbeitung ersetzt werden, während innerhalb der Bildungssysteme Motivation und Beratung noch auf längere Sicht legitime Arbeitsbereiche für Menschen bleiben. Sind die Lehrkräfte bei einer modernen Lernorganisation vergleichbar mit dem Heizer auf der Elektrolok, den es in England noch Jahre nach der Elektrifizierung von Bahnstrecken gab? Sollten wir nicht statt Schule neu zu denken das Lernen neu denken? Blauäugig ist auch das blinde Vertrauen in die Realität der Lehrerbildung. "Freiheit der Lehre" und "Wer lehrt, prüft." haben dazu geführt, dass in einem ausufernden, die Studienzeit verlängernden Prozess bei der Umsetzung von Prüfungsordnungen in Studienordnungen Raum für die Pflege einer Vielzahl von Steckenpferden geschaffen wurde und bei jeder Reform mit Zähnen und Klauen verteidigt wird. Die Einbettung in ein Gesamtkonzept der Lehrerbildung blieb dabei auf der Strecke. Schule und Studium sind zu einem leeren Initiationsritus in Form eines "Schein"-Studiums verkommen. Die Arbeit im Beruf beginnt mit einem Praxisschock, der individuell unterschiedlich aufgearbeitet wird und nur in seltenen Fällen zu fruchtbaren innovativen Ansätzen führt. In sofern ist der geforderte stärkere Praxisbezug notwendig; Ansätze dazu kommen jedoch auch aus der Lehrerbildung selbst. Unerfüllbar - und unnötig und schädlich - ist die Forderung, dass nur die Besten mit überdurchschnittlich breitem Allgemeinwissen Lehrer werden dürfen und nur in Fächern unterrichten sollen, in denen sie hervorragendes Wissen aufweisen. Um die Besten konkurrieren alle Bereiche der Gesellschaft. Es gibt davon nicht so viele, dass sie alle den Lehrerberuf in klassischer Art ausüben können, wenn es auch noch überdurchschnittliche Techniker, Volkswirte und Politiker geben soll; Führungsqualität zeigt sich darin, reale Mitarbeiter so einzusetzen, dass ideale Produkte entstehen. Unnötig und schädlich ist die Forderung, weil Wissen und seine Vermittlung mit den heute verfügbaren Medien nicht mehr wie zu Platons Zeiten von einem personalen Mittler abhängen. Beim Erwerb von Inhalten ist die selbstgesteuerte Erarbeitung nachgewiesenermaßen dem klassischen Unterricht überlegen. Bedarf an personalen Eingriffen besteht dagegen weiterhin im Bereich der Erziehung zum Lernen - und zu Werten - zu Beginn des Grundschulalters, aber auch da konkurriert der Bildungsbereich mit anderen Aufgaben der Gesellschaft. DIHK-Präsident Braun fasste bei der Vorstellung des Papiers zusammen: "Mit all diesen Maßnahmen kann bis zum Jahr 2015 an den Schulen ein neues Lern- und Arbeitsklima entstehen: ein Klima, in dem es etwas zählt, gut zu sein, ein Klima, in dem Ehrgeiz und Streben und gute Leistungen als Beispiel dienen, dem es nachzueifern lohnt, und ein Klima, in dem Lernen als Investition in die eigene Zukunft verstanden wird." "Ein Klima, in dem
es etwas zählt, gut zu sein, ein Klima, in dem Ehrgeiz und Streben
und gute Leistungen als Beispiel dienen, dem es nachzueifern lohnt, und
ein Klima, in dem Lernen als Investition in die Zukunft verstanden wird"
ist ein gemeinsames Ziel. Mit den DIHK-Maßnahmen werden wir es nicht
erreichen, weil es auf Vorstellungen von Lernen beruht, die unserer Zeit
nicht mehr angemessen sind, und die wir uns nicht mehr leisten können,
wenn sich die Gesellschaft auch in anderen Bereichen weiterentwickeln soll.
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| Lernorganisation
im 21. Jahrhundert
In den vergangenen zweihundert Jahren haben sich viele Bereiche der Produktion grundlegend gewandelt; die "Produktion von Lernen" hat sich nur unwesentlich geändert. Um 1800 waren noch mehr als 90 Prozent der Bevölkerung in der landwirtschaftlichen Produktion beschäftigt. Die Hacke war ein wichtiges Produktionsmittel. Zugtiere unterstützten die menschliche Arbeitskraft. Heute sind für die landwirtschaftliche Produktion weniger als 5 Prozent der Bevölkerung erforderlich. Gleichzeitig hat sich der Flächenertrag vervielfacht. Möglich wurde dies, weil moderne Maschinen für den Ersatz menschlicher Tätigkeiten entwickelt worden sind und heute eingesetzt werden. Außerdem haben sich die Anbaumethoden verbessert. Die klassischen, handwerklichen Produkte wie Schuhe, Kleidung, Werkzeuge, Nägel, Schrauben werden heute in der Regel nicht mehr in hochspezialisierter handwerklicher Einzelarbeit hergestellt. An deren Stelle ist die industrielle Produktion getreten. Ein beträchtlicher Teil der für die Herstellung erforderlichen Intelligenz steckt in den Produktionsanlagen und ist damit beliebig multiplizierbar. Durch Normung wird die Vielzahl der Halbzeugprodukte für eine große Zahl von Endprodukten nutzbar. Niemand würde behaupten, dass die neuen Produktionsmethoden den Handwerker nicht ersetzen sondern nur unterstützen sollen. Sie haben die Rolle des Menschen in der Produktion grundlegend verändert. Anders beim Lernen: Vor einer neuen Organisation des Lernens hat die Entwicklung bisher Halt gemacht. Wenn es um neue Lernformen geht, wird gebetsmühlenhaft wiederholt, dass neue Medien und Arbeitsformen den Lehrer nicht ersetzen sondern bestenfalls unterstützen sollen. Die Steuerungsvariablen, die Lernen grundlegend verbessern könnten, werden nicht geändert: Nach wie vor gibt es keine Normung der Anforderungen (und deshalb sind überprüfbare Bildungsstandards unverzichtbar). Daran ändern auch die KMK-Vereinbarungen über Bildungs-"Standards" in der vorliegenden Form nichts. Nach wie vor ist die Notengebung ein vierstufiger Willkürakt. Vielfach wird die mangelnde Aussagekraft der Schulnoten nicht einmal als Problem gesehen. Freilich gibt es eine Reihe von IHKen, die den Schulnoten der Hauptschulabgänger nicht trauen und eigene Prüfungen über den Lernstand der Berufsanfänger abhalten. Wie weiter unten erörtert, müßte man hier mit der Modernisierung auf der Grundlage des Internet ansetzen. Die öffentliche Meinung hat das Potential neuer Medien für das Lernen noch nicht erkannt. Das Lernangebot der Schule umfasst nur noch einen abnehmenden Anteil am Lernen in unserer Zivilisation. Gäbe es nicht den Schulzwang und hätte die Schule nicht das Monopol, wertvolle Berechtigungen zu verleihen, so hätte schon längst die Abstimmung mit den Füßen eingesetzt. Vieles lernen Kinder und Jugendliche höchst effektiv aus Angeboten außerhalb der Schule in selbstgesteuertem Lernen. So sind zum Beispiel viele Jugendliche im Umgang mit dem Computer oder dem Handy heute noch ihren Lehrern überlegen. Die Gebiete, in denen Kinder und Jugendliche bei selbstgesteuertem Lernen erfolgreich sind, haben gemeinsame Kennzeichen: Der Lernende kann
selbst seinen Lernerfolg kontrollieren; die Beurteilung des Lernerfolgs
hängt nicht vom subjektiven Urteil einer "Autorität" ab.
Die Schulverwaltung gibt im Bereich des schulischen Lernens keine konkreten, vom den Lernenden selbst kontrollierbaren Arbeitsziele vor. Deshalb ist in der Schule die Anpassung an die Vorstellungen des Lehrers wichtiger als die eigentliche Lernarbeit. In der Schule findet modernes Lernen nur da statt, wo der der Lehrer zugunsten extern definierter Ziele auf sein Bewertungsmonopol verzichtet. Dies ist nur selten der Fall. Ein wichtiger
Schritt auf dem Weg zu modernem Lernen ist daher ein Angebot unmittelbar
überprüfbarer Lernstandards. Nach den jahrzehntelangen Misserfolgen
einer Schulreform von oben lohnt der Versuch einer Reform des Lernens von
unten. Einige Aspekte zu einem Weg dorthin werden im nächsten Abschnitt
erörtert:
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| Denkanstöße
zur Reform des Lernens
Selbstgesteuertes Lernen vor mehr als dreißig Jahren Die Handywette, eine fiktiver Wettbewerb zwischen Fachdidaktikern Mathematik/Informatik und Hauptschülern der siebten Klasse. Überlegungen zum Thema Bildungsstandards Das Dortmunder Manifest - Anforderungen an Bildungsstandards, insbesondere Transparenz E-testing ist die Grundlage von e-learning Aufgabenbeispiele
für Standards, die für die Selbstkontrolle geeignet sind:
Verschwendung volkswirtschaftlicher Resourcen - viele Hundert Millionen Euro als Fehlallokation? open-source als Prinzip zur Entwicklung von überprüfbaren Bildungsstandards Missachtung der Bedürfnisse der Lernenden, so dass diese ihr Zeitbudget mehr in Computerspiele als in Lernen investieren 1. der Zugang durch Paßwort beschränkt ist, 2. die Programmierung Mittel einsetzt, die sicherheitsbewußte Nutzer nicht zulassen. |