Die Stellungnahmen zu den Entwürfen vom 3.7.03

Ob meine eigene Stellungnahme (mit Schreiben vom 30.8.03 an die KMK) gelesen worden ist, kann ich nicht feststellen, da ich weder ein Verband noch eine Organisation bin.  Unter den zeitweilig veröffentlichten Stellungnahmen war sie nicht zu finden.  Mein eigener Fachverband (Gesellschaft für die Didaktik der Mathematik) hat in seiner Stellungnahme gleichfalls nur "klassische" Einwendungen erhoben, die in ihrem fachdidaktischen Teil kaum berücksichtigt worden sind (zum Beispiel hat die Kritik an der früheren Beispielaufgabe 1 nur dazu geführt, daß sie jetzt erst als zweite Beispielaufgabe genannt wird).

Leider sind die Stellungnahmen nur für kurze Zeit im Netz zugänglich gewesen. Durch ein Entgegenkommen des Ständigen Sekretariats der KMK sind die Stellungnahmen immer noch auf Papier verfügbar.

Von wenigen Ausnahmen abgesehen wird die Form der Bildungs-"Standards" überwiegend als angemessen angesehen und es werden nur da und dort Kleinigkeiten kritisiert.

Manche Stellungnahmen enthalten Lobhudeleien: "Beeindruckend auch das Konzept von interkulturellem Lernen, das dem Dokument zugrunde liegt." (Deutsche Gesellschaft für Fremdsprachenforschung, Gießen). In der gleichen Stellungnahme findet sich auch ein Bezug zu gegenwartsnäherem Lernen: "Was die Aufgabenbeispiele anbelangt, so ist es ein kluger Schachzug gewesen, Aufgaben aus etablierten Testsystemen in das Dokument aufzunehmen. ... Wenn die standardisierten Aufgaben irgendwann einmal im Dokument ersetzt werden, sollte man auf den Aufgabenpool zurückgreifen, der zur Zeit vom Europarat entwickelt wird."

Die GEW fordert dagegen eine "Zweite Chance für die KMK" und stellt fest: "Die KMK-Entwürfe bestehen den Qualitätstest gemessen an den 'Merkmalen für gute Bildungsstandards' des 'Kieme-Gutachtens" mit wenigen Ausnahmen nicht.

Wenn die bisherige Auswertung der Stellungnahmen durch den Autor nichts übersehen hat, bleibt das Leitbild freilich - im Gegensatz zu den Seiten auf www.bildungsstandards.de - ein Lernen wie in vergangenen Jahrhunderten. Die Phantasie der Stellungnehmenden hat es nicht geschafft, Veränderungen durch neue Lernumgebungen, wie sie durch ein ubiquitäres Internet möglich sind, in Anforderungen an die Gegenwart umzusetzen. Solange dies nicht der Fall ist, bleiben die Ausführungen in www.bildungsstandards.de, insbesondere das Dortmunder Manifest, aktuell, wenn man von Lernen in PISA-Qualität abkommen will.