| Fritz Nestle
Was
sind und was nützen echte Bildungsstandards?
Echte Bildungsstandards
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| Echte Bildungsstandards
Mit dem Wort „Bildungsstandards“ wird Schindluder getrieben. Vage Verbalorgien der KMK vernebeln den Begriff Standard; die KMK wälzt die Verantwortung, die sie selbst nicht übernehmen will, auf die Lehrer ab: Im Fach Deutsch [1] heißt es auf S. 3 „Bildungsstandards formulieren fachliche und fachübergreifende Basisqualifikationen.“, und dies soll konkretisiert werden z.B. durch (S. 35): „ ...Schülerinnen und Schüler
kommen bei der Gestaltungsaufgabe über das Handlungsgeschehen hinaus.
Sie konstruieren einfallsreich...“
Entsprechend finden wir für das Fach Mathematik [2] als Beispiel für eine willkürlich herausgegriffene "Kompetenz" zur "Leitidee" Strukturieren in der Ebene und im Raum (S.14): „Die Schülerinnen und Schüler operieren gedanklich mit Strecken, Oberflächen und Körpern.“ Geschieht das in ausreichendem Maß,
Nochmals ein Zitat aus den KMK-Standards Deutsch „Die Konkretisierung der Standards erfolgt durch Aufgabenbeispiele. Diese illustrieren exemplarisch die Standarderreichung und machen deutlich, welche konkrete Leistung jeweils erbracht werden muss, um die Standards zu erfüllen.“ Die Experten der KMK sehen also durchaus die Notwendigkeit von Kriterien, mit deren Hilfe das Erreichen eines Standards festgestellt werden kann. Sie bleiben damit freilich auf halbem Weg stehen. Robert Mager [5] war vor
bald 40 Jahren mit seinem Büchlein „Lernziele und Programmierter Unterricht“
schon weiter. Er fordert, „Lernziele“ so konkret zu formulieren, dass der
Lernende selbst genau weiß, was von ihm erwartet wird. Das heißt,
dem Lernenden muss in jedem Lerngebiet gesagt werden,
Das Dortmunder Manifest (www.bildungsoptionen.de/manifest.htm; [3]) legt dar, wie solche Lernzielformulierungen realisiert, das heißt, wie überprüfbare Standards bereitgestellt werden können: Die erfolgreiche Bearbeitung einer Zufallsauswahl aus einer hinreichend umfangreichen Sammlung äquivalenter Aufgaben zu einem Thema ist ein echter Standard. Unter www.bildungsoptionen.de/dilli/einmal.htm[4] finden Sie beispielsweise einen Standard zu mittleren Anforderungen bei der Beherrschung des kleinen Einmaleins: Der Standard ist erreicht, wenn von drei Bearbeitungen der dort dargebotenen Einmaleinsaufgaben in mindestens einem Durchgang 36 Antworten richtig sind. Für einen Durchgang stehen dabei drei Minuten zur Verfügung. Dieser Einmaleinsstandard ist charakterisiert
durch
Zu einem Standard gehört eine Überprüfungsmöglichkeit. |
| Internet und Bildungsstandards
Heute bieten Multimediaprogramme für das Internet vielfältige Möglichkeiten, Aufgaben zu formulieren, Tastatureingaben mit einfachen, aber leistungsfähigen Algorithmen auszuwerten und den Lernenden so unmittelbar Rückmeldungen zu geben. Auch die Auswertung von handschriftlichen oder mündlichen Eingaben ist möglich, aber noch aufwändig. Damit ist das Internet ist eine fast ideale Möglichkeit, echte Bildungsstandards anzubieten. Es wird Zeit, die Möglichkeiten des Netzes intensiver für das Lernen zu nutzen. Schüler wollen schnelle Rückmeldungen über ihren Leistungsstand, aber schätzen Beobachter nicht, solange sie nicht selbst mit ihrer Leistung zufrieden sind. Bildungsstandards im Internet erzeugen mit sofortigen Rückmeldungen eine neue Lernkultur.
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| Realisierung von Bildungsstandards
im Internet
Wenn wir warten wollen, bis „der Staat“ überprüfbare Bildungsstandards ins Internet stellt, müssen wir vermutlich noch lange warten. In der 2003 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) veröffentlichten „Expertise zur Entwicklung nationaler Bildungsstandards“ kommt das Wort Internet genau ein Mal vor – in einer Fußnote! Die Experten des BMBF haben die Existenz des Netzes noch nicht so weit in sich aufgenommen, dass sie die Nutzung des Netzes für das Lernen ernsthaft in Erwägung ziehen. Die KMK-Experten weisen im Fach Englisch zur Illustration ihrer Vorschläge mehrmals auf englische Standards (z.B. Cambridge) hin. In Deutschland haben sie nichts gefunden. Für die anderen Fächer gilt: Fehlanzeige. Zur Idee, auf die zentrale staatliche Organisation zu warten, gibt es eine Alternative: Wir, die Lehrer, aber auch die Schüler (,die Eltern, die Wirtschaft, ...) entwickeln selbst die Standards und stellen sie zur Nutzung und zur Kritik ins Internet. In einem solchen von der Basis gestalteten open-source-Verfahren ist in den vergangenen Jahren mit LINUX ein hervorragendes Computerbetriebssystem entstanden. Entsprechend können wir schnell zu einem großen Angebot von Bildungsstandards im Internet kommen: Haben sie ein Arbeitsblatt, das sich bewährt
hat? Dann können Sie es als Grundlage oder Ergänzung eines echten
Bildungsstandards unter Ihrem eigenen Namen oder unter einem Pseudonym
zur Verfügung stellen. Rufen Sie das Lehrerportal [6]
von www.BildungsStandards.de
auf und übermitteln Sie das Arbeitsblatt als Datei. Am besten
richten Sie es gleich so ein, dass die online-Bearbeitung möglich
ist. Wie bequem das geht, wird gleichfalls im Lehrerportal erläutert.
Auch die Linkliste im Lehrerportal ist hilfreich. Es schadet nichts, wenn
die Arbeitsblätter zu Beginn noch Schwachstellen haben. In gemeinsamer
Arbeit lässt sich alles verbessern. Ein Bewertungssystem wie bei Ebay
sichert langfristig die Qualität.
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| Rückwirkung von öffentlichen
Bildungsstandards auf die Lehrerrolle
Vorbereitung und Durchführung von Unterricht sowie die Bewertung der Schülerleistungen erfolgt in der Schule der Gegenwart immer noch in handwerklicher Einzelarbeit. Die Lehrkraft setzt fast autonom individuelle Standards für jede Klasse. Rund zehn Prozent der Arbeitszeit wendet sie dafür auf. Die Autonomie verleiht der Lehrkraft einerseits Macht und legt ihr Verantwortung auf, andererseits wird sie dadurch Opfer von Pressionen durch Eltern, Schulverwaltung und Medien, wenn die erteilten Noten Widerstand provozieren. Beschwerden richten sich fast immer nur gegen die Noten, nicht gegen die Inhalte des Unterrichts oder den Leistungsstand der Klasse. Wenn die Schülerleistung transparent an öffentlichen Standards gemessen wird, ändert sich die Situation grundlegend. Dann gibt es auch im kognitiven Bereich Maßstäbe, wie sie der Sport für Hochsprung, Gewichtheben, ... kennt und einsetzt. Der einzelne Sportler entwickelt seine Leistung in der Regel nicht allein, sondern er profitiert von der Unterstützung durch Trainer und Coach. Trainer und Coach müssen dabei nicht selbst in der jeweiligen Disziplin besser sein als der Sportler selbst. Sie müssen jedoch erkennen, wie sie den einzelnen Sportler optimal fördern können. Wenn die Schülerleistung transparent an öffentlichen Standards gemessen wird, wandelt sich die Lehrkraft von der oft gehassten und gefürchteten, selten geliebten Autorität zum willkommenen und geschätzten Helfer bei der Entwicklung von Kompetenz.
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| Verweise
[1] http://www.kmk.org/schul/Bildungsstandards/Deutsch_MSA_BS_04-12-03.pdf
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