Die Lehrer sind schuld:
Kommentar zu einem Artikel von Martin
Spiewak in der ZEIT
Glanz und Jammer (Die Zeit Nr. 22,
S. 31;
http://www.zeit.de/2004/22/Glosse_22_a)
Bitte lesen Sie erst den Artikel und dann
zwei Anmerkungen:
1
Vor rund zwei Jahrzehnten kamen plötzlich
ein paar Jahre lang Sieger in der Mathematikolympiade vom kurfürstlichen
Gymnasium in Bensheim; ein neuer Lehrer war an die Schule gekommen. „Analyse
hervorragend, Konsequenzen und Schlußfolgerungen ungenügend“
- so könnte man die erziehungswissenschaftliche Forschung der letzten
Jahrzehnte kurz charakterisieren.
Warum ändert man nicht das System
– und warum setzen sich die Medien nicht mit alternativen Systemen auseinander?
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1887 hat
Carl Benz ein Patent auf das Automobil erhalten. Die Herstellung erfolgte
zunächst noch traditionell handwerklich in seiner Werkstatt. Niemand
kann sich vorstellen, dass Autos in 500 000 kleinen Werkstättchen
nach individuellen Plänen und mit primitivsten Hilfsmitteln hergestellt
werden.
Dass Schule heute
noch so funktioniert wie der Bau der ersten Autos, wird allgemein hingenommen.
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Die Abhilfe wäre einfach: Auch in
der Schule führt man Arbeitsteilung ein und trennt das Unterrichten
von der Bewertung der Unterrichtsergebnisse, das heißt, man wertet
externe Ergebniskontrollen auf. Damit wären viele Probleme der Schule
von einem Tag auf den anderen gelöst und die Lehrer wären von
einer undankbaren Aufgabe entlastet.
Schon 1968 hat die ZEIT über einen
entsprechenden Vorschlag berichtet. (Man findet ihn unter
www.ph-ludwigsburg.de/mathematik/personal/nestle/allgemein/allgem68.htm;
das eigenständige Denken des Verfassers
war damals - in der guten Gesellschaft der meisten Kollegen; im Einklang
mit seiner Ausbildung - noch nicht so weit fortgeschritten, dass er sich
selbstorganisiertes Lernen in größerem Umfang hätte vorstellen
können. Immerhin hat er schon an elektronische Auswertung und an Lösungsblätter
für die Hand der Schüler gedacht. Bedauerlich ist nur, dass sich
Medien und Schulverwaltung bis heute offensichtlich selbstorganisiertes
Lernen im Bereich der Schulfächer immer noch nicht vorstellen können,
während die Kids ihre Lernfähigkeit unter anderem beim Thema
Computer gezeigt haben /und zum Teil heute noch zeigen). Siehe auch hier
.)
Damals gab es noch kein Internet; heute
wäre der freie Zugang zu –
echten
– Bildungsstandards mit Hilfe des Internets ganz einfach zu realisieren
(www.bildungsoptionen.de/manifest.htm).
(Fast) alle würden gewinnen. Insbesondere würde man die Lernmotivation
der Schüler im kognitiven Bereich fördern und nicht abwürgen.
Mit der Beschreibung von Vergangenheit
und Gegenwart lösen wir die Probleme der Zukunft nicht. Sollte man
nicht auch Ideen und Vorschläge diskutieren, die zukunftsgerichtet
sind; vor allem wenn die Realisierung so einfach ist.
2
Spiwak schreibt:
"Wie gut die Schüler lesen oder rechnen,
differiert an vielen Schulen von Klasse zu Klasse um mehr als 15 Punkte.
Das entspricht einem ganzen Lernjahr."
Die wesentliche Information fehlt hier
wieder einmal und ist vermutlich auch nicht erhoben worden: Differieren
die Noten im gleichen Sinn wie die Leistungen, oder ist es so, dass die
Klassen mit den schlechteren Noten die besseren Leistungen zeigen? - Der
Verfasser hat den begründeten Verdacht, dass in der Regel die Durchschnitte
umso besser sind, je geringer die Leistungsfähigkeit der durchschnittlichen
Schüler ist.
Merke: Nur gute Lehrer können es
sich erlauben, auch schlechte Noten zu vergeben. Objektive Maßstäbe
sind nach den von der KMK am 4.12.03 verabschiedeten "Bildungsstandards
für den Mittleren Schulabschluss" von seiten der Schule noch lange
nicht zu erwarten.
Wie weit der Ball eines Schülers fliegt,
kann er selbst auf wenige Zentimeter genau feststellen. Man verweigert
ihm bis heute die entsprechenden Verfahren, um den Lernstand in Englisch,
Geschichte oder Mathematik festzustellen. (Eine der wenigen Ausnahmen:www.ateus.ch)
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