Ergänzungen mit Stand: 9.1.04
Vortragsanmeldung zur GDM-Tagung 2004 (1. bis 5. März 2004 in Augsburg)
 
Titel: Bildungsstandards - was ist das?
Autor: Fritz Nestle, Ulm (vormals Pädagogische Hochschule Ludwigsburg)

Abstract:

Im Dezember 2003 hat sich die KMK auf gemeinsame Rahmenlehrpläne zum Mittleren Schulabschluß für alle Bundesländer geeinigt. Die KMK nennt das Ergebnis Bildungs-"Standards". Sie sind das Werk ungenannter Experten. Einige Länder haben bereits landesspezifische Interpretationen dazu ausgearbeitet.

Die KMK und die Länder überlassen -bisher - den Lehrern die mühsame Arbeit, dieses Wortgeklingel in konkrete Anforderungen und dazu passenden Unterricht umzusetzen. Der Weg in die Informationsgesellschaft wird - noch - nicht beschritten. Bildung wie in der Zeit von Adam Riese.

Als Alternative wurde anläßlich der GDM-Tagung 2003 das "Dortmunder Manifest" veröffentlicht (www.bildungsstandards.de).

Im Vortrag wird das Dortmunder Manifest erläutert. Erste Beispiele von echten Bildungsstandards stehen zur Diskussion. Für den Lehrertag wird ein Workshop zur Konstruktion korrekturgünstiger Aufgaben angeboten: Grundlage für weitere echte Bildungsstandards.



Ergänzungen zum Abstract

Rechenbuch von Adam Riese und Kommentar


Dazu ein Zitat aus der Email eines Mathematiklehrers (und Fachleiters), die mich zu Beginn dieses Jahres erreicht hat:
 
"...  Als Werkzeug steht mir das eingeführte Lehrbuch zur Verfügung. Zur Unterrichts-Vorbereitung habe ich, bedingt durch Korrektur-Arbeiten, Verwaltungstätigkeiten und Organisationsarbeit nur einen engen Zeitrahmen, der es mir gerade so erlaubt, möglichst passende Aufgaben aus dem Lehrbuch auszuwählen. ..."

Wir können daraus lernen:

Wer mit Rationalisierung beginnen will, hört als erstes den Einwand "Nur der Lehrer kann auf die Bedürfnisse der einzelnen Kinder eingehen." - Der gute Lehrer kann es tatsächlich und tut es in hohem Maß, aber gibt es denn nur gute Lehrer? - Von echten Bildungsstandards anstelle der Rauchbomben der KMK profitiert als erstes der Lehrer, weil er Korrekturarbeit spart.

Zum Vergleich: "Nur der orthopädische Schuhmacher kann den Schuh dem individuellen Fuß anpassen." Trotzdem tragen die meisten Mitbürger Schuhe aus der Fabrik, ja, wer zum orthopädischen Schuhmacher geht, hat in der Regel keine normalen, gesunden Füße. Außerdem sind Schuhe vom orthopädischen Schuhmacher fast unbezahlbar, und der Schuh drückt den, der nicht den guten orthopädischen Schuhmacher findet.



 

Ob man Rauchbombe, Wortgeklingel oder Etikettenschwindel als richtige Bezeichnung für die sogenannten Bildungs"Standards" der KMK ansieht, die wahre Misere des deutschen Bildungswesens wird durch dieses neue Produkt eines leeren Aktionismus nicht behoben. Es gibt bisher nur einen realistischen Ansatz für eine Verbesserung: Das Dortmunder Manifest als erster Schritt zu modernem, effektivem Lernen.



Ein Zitat aus Ergänzungen des Autors
http://www.lehrer-online.de/dyn/9.asp?url=387131.htm

"GEW Sachsen für bundesweite Standards
... "
 Ein neues Verwirrspiel zu den "Standards" der KMK: Kompetenzen versus Standards
"...
Kompetenzen
 
'Das sind für uns nationale Standards, die wir bewusst nicht 'Bildungs'-Standards nennen, denn Bildung kann man nicht standardisiert messen', sagte Gerold. 'Man kann aber beschreiben, welche Kompetenzen ein Kind in einem bestimmten Alter erworben haben soll.' Die nationalen Standards sollten jedoch nicht die Basis für 'Testeritis' und Ranking sein.
..."
Sollte man beim Sport künftig nicht auch auf Zeitmessung, Zählung der Tore, ... verzichten, denn was ist dies anders als "Testeritis" und Ranking?  Ich fühle mich diskriminiert, da ich schon in der Nazizeit als sportliche Flasche diskriminiert worden bin - oder wir erlauben auch Ranking im kognitiven Bereich (da entstehen auch mehr Produkte, die wir ausführen können, als beim Sport!)
 
 Immer noch von der GEW Sachsen:
"...
Schnellschuss
 
Die KMK habe aber einen anderen Weg gewählt und auf den breiten Dialog über Bildungsziele und daran orientierten Standards verzichtet. "Insofern kann man die jetzt vorliegenden ersten "Bildungsstandards für den mittleren Schulabschluss" nur als Schnellschuss bezeichnen, der sicher dem politischen Druck auf die KMK nach den schlechten deutschen PISA-Ergebnissen geschuldet ist."
"