| Schritte zur Konkretisierung
Ein Bildungsstandard erfüllt seinen Zweck, wenn mit seiner Hilfe mit großer Zuverlässigkeit festgestellen kann, ob ein ausgewähltes Individuum die Anforderungen des Standards erfüllt oder nicht. Verbale Beschreibungen, wie sie in den Siebzigerjahren des vorigen Jahrhunderts als "Lernziele" vorgelegt wurden oder jetzt wieder in vielen Publikationen als "Bildungsstandards" empfohlen werden, sind nutzlos. Mit ihrer Hilfe kann nicht unmittelbar festgestellt werden, ob ein Individuum die zugehörigen Anforderungen erfüllt. Werden dagegen Bildungsstandards durch Aufgabenklassen mit hinreichend vielen Elementen definiert, so zeigt schon eine verhältnismäßig kleine, richtig strukturierte Auswahl aus einer Klasse, ob die mit den Elementen der Klasse konkretisierten Ziele erreicht sind oder nicht. Solche Klassen und Auswahlen können mit dem Computer mit geringen Vorgaben automatisch erzeugt werden. Auch die Bereitstellung von Aufgaben und die Umsetzung von Bearbeitungen in Rückmeldungen über das Internet ist kein technisches, sondern ausschließlich ein organisatorisches oder finanzielles Problem und ein Problem des Wollens. Beispiele erläutern diese These: Einmaleins online
- so könnte es zu jedem Thema Testmöglichkeiten im Internet geben!
Der deutsche Rückstand
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| Einmaleinsbeherrschung als Bildungsstandard
Das kleine Einmaleins (und das Eins-in-eins) wird beherrscht, wenn in jeder der 121 Gleichungen Die Aufgabenklasse Einmaleins enthält 363 Elemente. Die spontan richtigen Antworten für eine Auswahl von 12 Teilaufgaben zeigen mit hinreichender Sicherheit die Beherrschung des Standards, mehrere falsche entsprechend, daß der Standard nicht erreicht ist, sofern auf gleichrangige Berücksichtigung einfacher und schwieriger Aufgaben geachtet wird. Das Erreichen des Standards ist daher auf einfache Weise überprüfbar, und es leuchtet unmittelbar ein, daß passende Auswahlen aus der Aufgabenklasse automatisch mit dem Computer erzeugt und bewertet werden können. In Bereichen reiner Routine wie dem Einmaleins kann die Aufgabenpräsentation sowohl in Schriftform als auch in Form von Sprache erfolgen. Ein Beispiel für letzteres finden Sie hier im Format MP3 und hier zur online-Bearbeitung mit sofortiger Rückmeldung. (Erstaunlich ist die geringe Nutzung dieses Angebots. Interessant ist, daß Schüler mehr als 30 Jahre nach der Standardisierung dieser Übungen diese gern bearbeiten - wenn sie dürfen!) Die meisten Kinder erreichen bis zum Ende
der Grundschule bei normalen Unterrichtsverhältnissen den Standard
für Aufgaben, in denen die Null nicht vorkommt. Ob sie ihn auch erreichen,
wenn die Null vorkommt, ist vom Nachdruck abhängig, mit dem auch Einmaleinsaufgaben
mit Null geübt worden sind.
Entsprechende Standards sind auch zum Thema "einfaches Bruchrechnen im Kopf" verfügbar. Für die gesamte Schulmathematik gibt es Vorarbeiten in einem Umfang so, daß die zugenörigen Bildungsstandards innerhalb eines Jahres angeboten werden könnten. Es fehlt nur an der Vision und am politischen Willen. |
| Bildungsstandards in Deutsch I
Häufig begegnet man der Vorstellung,
daß zwar in mathematikorientierten Fächern Standards definiert
werden können, nicht dagegen in der Muttersprache Deutsch. Das Gegenteil
ist richtig: Standardaufgaben in Deutsch können in reichhaltiger Variation
viel einfacher automatisch in automatisch überprüfbarer Form
erstellt werden als zum Beispiel in Mathematik. Es müssen nicht immer
manierierte PISA-Aufgaben sein. Auch die folgenden Beispiele trennen klar
zwischen Menschen, die - immer neben den koginitiven Grundfähigkeiten
- über die entsprechenden Sprachfähigkeiten verfügen beziehungsweise
nicht verfügen. Dabei geht es meistens um Textrekonstruktionen.
Gemeinsames Kennzeichen der Aufgaben im Kasten sind die Möglichkeit der automatischen Erzeugung und der automatischen Bewertung mit Computerprogrammen - auch im Internet. Bei der Erstellung der Aufgaben werden primitive Reihungseigenschaften von Text und Listen benützt. Durch eine andere Auswahl der Grundtexte
und der Verfremdungsfunktionen können die erzeugten Aufgaben mit geringstem
Aufwand jedem Niveau angepasst werden.
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| Bildungsstandard Deutsch II
Einen anderen Ansatz liefern Sprach- und/oder
Grammatikfehler in Zeitungsbeiträgen. Hier Ausschnitts aus Zeitungen
und passende Fragen:
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| Andere Sprachen und Fächer
Im Fremdsprachenbereich kann man neben den oben angewendeten Funktionen zur Textverfremdung weitere verwenden, die spezifische Eigenschaften der jeweiligen Sprache ausnützen. So wird man in Latein beispielsweise Endungen rekonstruieren lassen, in Türkisch Aglutinationen, im Englischen die Beziehung zwischen Aussprache und Schreibweise. In Sachfächern wie Geschichte, Geographie, Biologie helfen Listen von Schlüsselwörtern bei der automatischen Erzeugung von spezifischen Lückentexten, deren Ergänzungen wieder automatisch ausgewertet und in Rückmeldungen für die Lernenden umgesetzt werden können. |
| Der deutsche Rückstand.
Gegenüber Ländern wie USA, Finnland oder Brasilien ist Deutschland Entwicklungsland. Systematisch sind einige Jahrzehnte lang bei uns Arbeiten über Bildungsstandards nicht gefördert sondern ignoriert worden. Bei der Aufgabenkonstruktion als Grundlage von Bildungsstandards hat Brasilien mit dem Vestibularexamen einen riesigen Vorsprung vor uns. (Da man in Brasilien die mangelnde Aussagekraft und Vergleichbarkeit von Schulabschlüssen schon vor langer Zeit entdeckt hat, hat man das "exame vestibular" schon vor Jahrzehnten als Hochschuleingangsprüfung eingeführt. Nur die Nutzung des Internets für Vorbereitung und Durchführung ist noch im Rückstand.) Der ToEFL (test of English as a foreign language) ist nicht nur ein gut durchgearbeiteter Bildungsstandard für die amerikanische Sprache sondern zusätzlich noch ein Geschäft für die betreuende Institution, die damit im Jahr 1998 494 Millionen Dollar umgesetzt hat. Auch für Deutschland gibt es Vorschläge, Bildungsstandards kostendeckend durch eine geeignete Institution betreuen zu lassen. Für den entscheidenden Fortschritt beim Thema Bildungsstandards fehlt es also nicht an der Finanzierung sondern ausschließlich an Menschen mit Visionen! |
| Konsequenzen für das Lernen
Machen Sie mit und helfen Sie, den Traum von einem Bildungswesen, das diesen Namen verdient, in Realität zu verwandeln. Ein Bildungswesen, das jedem die gleichen Chancen bietet. Ein Bildungswesen, in dem der Kampf gegen die Institutionen sublimiert wird in eine Lehr- und Lernpartnerschaft. Wenn es Bildungsstandards gibt, die einen alternativen Zugang zu den bisher ausschließlich von zementierten Monopolen verliehenen Berechtigungen öffnen, wird Lernen frei von den zufällig festgelegten Bindungen an bestimmte - gute oder weniger gute - Lehrer. Lernen wird gerechter. Nicht oft genug kann gesagt werden, daß die Intelligenz des Lernenden als wichtiger Faktor Lernen häufig besser - und schneller - organisieren kann als jede fremde Hilfe. Jugendliche haben den Umgang mit dem Computer überwiegend außerhalb schulischer Veranstaltungen gelernt; sie sind oft auch heute noch darin ihren Lehrern überlegen. Das ist ein Erfolg selbstorganisierten Lernens, der in dem Augenblick auf den klassischen Schulstoff übertragen werden kann, in dem die Bildungsziele in überprüfbarer Form offen gelegt werden. Schule ist heute noch handwerklich unter Verzicht auf technische Hilfen organisiert. Ein paar Schuhe, hergestellt unter analogen Bedingungen, wäre eine fast unbezahlbare Kostbarkeit, und der Besitzer der Schuhe würde auch in Kauf nehmen, wenn sie ringsherum drücken würden. Auch Schule ist in der derzeitigen Organisation auf Dauer nicht bezahlbar. Mit der Einführung öffentlicher Bildungsstandards könnten bei insgesamt größerem Bildungserfolg immense Kosten gespart werden. Das Statistische Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 2002 weist für Bildung, Forschung, Wissenschaft eine jährliche Investition in Höhe von 180 000 000 000 € aus. Weniger als 0,1 Promille dieser Summe würde zur Einführung von Bildungsstandards genügen; das sind weniger als 1 000 der rund 500 000 Personalstellen im Bildungswesen. Wer aktiv Fußball spielen will, muß wissen, wo das Tor ist, auf das er zielen muß. Ein Bildungsstandard nach dem Konzept des Dortmunder Manifests dient nicht nur der Prüfung. Er zeigt bereits in der Lernphase Lücken auf und weist die Richtung, in der das Lernen fortschreiten muß. |
Lösung der Aufgabe
Im ersten Text heißt das falsche Wort "schliff"; richtig müßte es heißen "schleifte". schleifen, schliff, geschliffen wird das Wort bei Schleifen eines Messers konjugiert; schleifen, schleifte, geschleift gilt für das Schleifen (den Abriß bis auf die Grundmauern) eines Bauwerks. Schwaben haben es bei dieser Aufgabe viel einfacher. Die beiden Wörter werden im schwäbischen Dialekt unterschiedlich ausgesprochen (Unterscheidung der Phoneme "ei" und "ai"; letztere in der Schreibung 'ei' oder 'ai'). Im zweiten Text geht es um "bewehrten" beziehungsweise "bewährten". Material dieser Art kann man neuerdings in fast jeder Ausgabe auch renommierter Zeitungen finden. Nach kurzer Sammlung - open-source-Prinzip -hat man genügend Aufgaben für die zu diesem "Standard" gehörenden Datenbank. |