Startseite Inhalt KMK-Standards BMBF Was sind Bildungsstandards
Stand 14.10.03; allen vielen Dank, die sich durch Rückmeldungen mit der letzten Fassung auseinandergesetzt haben.

Zur Kompetenz des Autors


Ich bin 1955 nach einem achtsemestrigen Studium der Fächer Mathematik und Physik in den Schuldienst des Landes Baden-Württemberg eingetreten.

1958 bis 1960 war ich drei Jahre an einer Schule in Brasilien tätig. In dieser Zeit lernte ich im Rahmen von Fortbildungen der Associacao dos Professores de Matemática lernzielorientiertes Arbeiten kennen. Dies hat zusammen mit der Erfahrung, dass Lehrpläne und Schulwirklichkeit wenig miteinander zu tun haben, eine Reflexion über Möglichkeiten und Formen des Mathematiklernens und des Lernens allgemein angestoßen, die bis heute nicht beendet ist. Dabei kam ich zu dem Ergebnis, daß Schule in der heutigen Form wenig effektiv ist. Dem einzelnen Lehrer wird zugemutet und abverlangt, daß er in handwerklicher Arbeit fast ohne Hilfsmittel auf der Grundlage seiner Hochschulausbildung gezwungen wird, in einer Person Lernprozesse zu planen, anzustoßen und die individuellen Lernergebnisse selbst – ohne externe Kriterien – zu bewerten.

Nach der Rückkehr aus Brasilien, in einer Zeit extremen Lehrermangels, bemühte ich mich zunächst, durch die Realisierung von Mathematikunterricht als Tonbildschau Lernanstöße zu „objektivieren“, das heißt, vom Lehrer unabhängig zu machen. Die Erfolge veranlaßten mich, als Referent für Mathematik und Physik im Institut für Film und Bild (FWU) diese Bemühungen auszubauen.

Eines der Projekte am FWU hatte in Verbindung mit dem Verlag Klett als Ziel, einen Teilbereich der in der new-math-Euphorie in den Untericht gepressten neuen Inhalte so aufzuarbeiten, dass sie auch vom weniger versierten Lehrer unterrichtet werden konnten: Stellenwertsysteme. In einem ersten Schritt wurden die Mathematikdidaktiker der Bundesrepublik angeschrieben mit der Bitte, in einem von Klett und FWU ausgearbeiteten Lehrzielkatalog Teilziele für verschiedene Lernniveaus nach wichtig, nützlich oder überflüssig zu bewerten. Das Ergebnis war wenig hilfreich, so dass die notwendigen Entscheidungen vom Mathematiklektorat von Klett und dem FWU-Referat Mathematik/Physik allein getroffen wurden. Auf der Grundlage dieser Entscheidungen wurde ein Mediensystem entwickelt, mit dessen Hilfe sich Schüler selbständig das Thema aneignen konnten. Eine umfangreiche Erprobung des Systems zeigte, daß Lehrer zwar gern bereit waren, für Klett und FWU tätig zu werden, jedoch bis auf wenige Ausnahmen es nicht schafften, aus der überkommenen Lehrerrolle zugunsten einer anderen Aufteilung der Aktivitäten herauszutreten. Das Projekt wurde daraufhin abgebrochen.

In einem anderen Projekt wurden in den Jahren 1967 bis 1970 Bildungsstandards entwickelt und evaluiert: Normzeitübungen für das Kopfrechnen auf Tonband zum Einmaleins und zur Bruchrechnung. Dieses Projekt wurde abgeschlossen und den Schulen über die Bildstellenorganisation angeboten. Das Angebot wurde nur von ganz wenigen Lehrern angenommen, von diesen freilich über Jahre und Jahrzehnte hinweg eingesetzt. Ähnlich wie bei TIMSS und PISA waren diese Lehrer dankbar dafür, dass sie die Leistungen ihrer Schüler an einem externen Kriterium messen konnten. Das FWU hat inzwischen die Nutzung allgemein freigegeben. Diese Übungen, bei denen sich die Schüler auch selbst kontrollieren können, sind inzwischen über das Internet (www.kopfrechnen.de) im Format MP3 verfügbar. Das Angebot wird nach wie vor wenig genutzt.

Ein Schulbuchprojekt, das unter dem Namen Andelfinger-Nestle ein Jahrzehnt lang sehr erfolgreich war, unterschied sich von konkurrierenden Werken nicht durch durch eine gelungene, vielfach kopierte Aufarbeitung der damaligen inhaltlichen Veränderungen des Mathematikunterrichts; eine wesentliche Neuerung bestand darin, dass
- das Lösungsheft frei und nicht nur mit einem Schulstempel frei verkäuflich war,
- zu jedem Arbeitsabschnitt "Kontrollbogen" angeboten wurden.
Diese Kontrollbogen gingen weit über die Beispielaufgaben der neuen "Mathestandards" hinaus; sie waren so angelegt, daß sie vom Lernenden selbst korrigiert werden konnten.

In einem Büchlein Alternativen im Mathematikunterricht - Ziele, Medien, Methoden ist einiges von diesen Erfahrungen augearbeitet worden. Es gibt eine provisorische Internetfassung. Die Aktualität des Inhalts ist nach TIMSS und PISA größer als damals, weil inzwischen die im Büchlein erörterten Probleme durch diese beiden Untersuchungen bestätigt worden sind. Wie lange wird es noch dauern, bis auch die Abhilfe Aktualität gewinnt!