
Princeton hat
ein Problem - und die Lösung gleich dazu: Das Qualitätsproblem
wird durch die statistische Vorgabe gelöst, daß vom kommenden
Herbst an "nur noch" 35 % der Teilnehmer an Grundkursen die Bestnote erhalten
dürfen. Vergleichen Sie mit meinen Äpfeln:
| Auch ich habe
ein Problem und seine Lösung: Die Früchte meines Apfelbaums.
Darf ich hier 35 % für sehr gut erklären?
- oder
stimmt die Selektion rechts besser mit der Wirklichkeit überein?
Die Obstbauern am Bodensee lösen das Qualitätsproblem anders: Schon in einem frühen Stadium pflegen sie die Früchte, von deren Verkauf sie leben. Sie selektieren nicht nach statitistischen Kriterien, sondern sie beeinflussen den Produktionsprozess von der ersten Stunde jedes Jahrgangs an - und sie gehen von objektiven Qualitätsmaßstäben aus. Bodenseeäpfel sehen dann so aus:
Bodenseeäpfel: Einer wie der andere ist individuell; alle erfüllen eine Qualitätsnorm. Das heißt:
|
Kinder sind keine Äpfel; sie entwickeln sich nicht nach Standardprozessen. "Abfall" darf es keinen geben.
Äpfel wollen nicht schön werden, aber Kinder wollen etwas leisten. Kinder haben ihre eigene Intelligenz. Kinder wollen selbst überprüfen können, was sie leisten, und sie wollen ihre Leistungsfähigkeit so lange verbessern, bis sie mit dem Ergebnis selbst zufrieden sind. Beim Ballspielen klappt das. Beim Lesen, Schreiben und Rechnen fehlen Bildungsstandards, bei denen die Kinder sofort und zu jedem Zeitpunkt Rückmeldungen erhalten - wie zum Beispiel bei Computerspielen. Um Kindern beim Erwerb der elementaren Kulturtechniken besser zu helfen als bisher, fehlt es ausschließlich am Willen, ihnen Maßstäbe zur Verfügung zu stellen, an denen sie sich ohne fremde Hilfe messen können.
Hier
können Grundschulkinder überprüfen, ob sie das Einmaleins
hinreichend beherrschen. (Beispiel für einen Bildungsstandard)
Hier
können Grundschulkinder überprüfen, ob sie eine primitive
Lesefähigkeit besitzen.
Hier
können Sechzehnjährige überprüfen, ob sie die Aufgabe
14 der KMK-Bildungsstandards für den Mittleren Schulabschluß
lösen können.
Während das erste Beispiel schon eine vollständige Konkretisierung eines Bildungsstandards beinhaltet, liefern die Beispiele 2 und 3 nur Elemente eines Bildungsstandards nach den Forderungen des Dortmunder Manifests. (Auf Deutsch: Es gibt noch keine Datenbank zur Zufallsauswahl von passenden Aufgaben.)
Könnte Princeton 100 Kinder die Einmaleinsübung
bearbeiten lassen und den 35 besten - unabhängig vom Ergebnis - die
Note "Sehr gut" für Einmaleinsbeherrschung zuweisen, auch wenn zum
Beispiel nur 5 von 36 Antworten richtig sind? Oder ist Qualität doch
etwas Greifbareres?