Das Bilder zeigen Ausschnitte aus einem fünfundfünfzig Jahre alten Studienbuch. Für das erste Semester waren 169 DM Gebühren zu zahlen. Ohne Vergleichszahlen sagt diese Angabe nichts.
Das Wichtigste nochmals in Originalgröße:

Vor Aufnahme des Studiums hatte der junge Mann, sagen wir ruhig "ich", nach einigen vergeblichen Versuchen eine Arbeit gefunden, für die ihm 0,69 DM für die Stunde gezahlt wurden. Da man damals 50 Stunden in der Woche arbeiten "durfte", ergab das einen Wochenlohn von brutto 34,50 DM, das heißt, von brutto rund 140 DM im Monat oder netto von rund 110 DM .
Für die Studiengebühren für das erste Studienjahr mußten also der Arbeitslohn von 3 Monaten aufgewendet werden. Ein Wecken (Semmel, Brötchen) kostete damals 0,05 DM.
Im zweiten Studienjahr begann die soziale Unterstützung zu greifen: Wer in den "Dekanatsprüfungen" am Ende eines Semesters mindestens gute Studienleistungen nachweisen konnte, erhielt einen Gebührenerlass von 50 %:

Eine gewisse Sparsamkeit war schon nötig, um über die Runden
zu kommen. Ich konnte 5 Monate im Jahr arbeiten, um in dieser Zeit das
Geld für 7 Monate Studium zu verdienen. Für den Lebensunterhalt
(Wohnung, Kleidung, ...) blieben nach Abzug der Studiengebühren 50
DM pro Monat übrig. Üppig war das nicht.
Es war ein Anreiz, das Studium innerhalb der Mindeststudienzeit für
das Staatsexamen von damals 8 Semestern abzuschließen. Eine Promotion
wäre schon nach 6 Semestern möglich gewesen.
Schon damals wurde behauptet, dass die höhere Vergütung für Akademiker diese Aufwendungen rechtfertige. Hätte ich Fliesenleger gelernt oder als Müllkutscher gearbeitet, wäre mein Lebenseinkommen bis zum 57. Lebensjahr größer gewesen. Wer heute bis zum dreißigsten Lebensjahr studiert und einen der akademischen Berufe im Staatsdienst ergreift, muß schon rund 80 Jahre alt werden, wenn er das Lebenseinkommen eines Müllkutschers übertreffen will.
Ich hatte den Wegfall der Studiengebühren als sozialen Fortschritt
empfunden. Dass man den Studentenstatus missbräuchlich ausnützen
kann, sollte kein Grundsein, die Studenten zur Kasse zu bitten. Man könnte
den Missbrauch auch durch transparentere Anforderungen im Grundstudium
einschränken, das heißt, durch entsprechende Bildungsstandards,
die der Willkür und der Manipulation der Lehrenden entzogen sind.